Wien/St. Paul. Nachdem man zuletzt mit einem vermeintlichen Datenleck für negative Schlagzeilen gesorgt hatte, ging das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) bei der Zentralmatura auf Nummer sicher und verschickte die Unterlagen für die Zentralmatura per Sicherheitsbotendienst an die jeweiligen Schulen. Damit stand einer gelungenen Premiere - oder wohl besser Generalprobe, denn noch läuft die Zentralmatura im Schulversuch - nichts im Weg. Trotzdem gab es auch Kritik am schriftlichen Teil der standardisierten Reifeprüfung.

Punkt 8 Uhr Früh öffnete Pater Thomas Petutschnig am Montag das Kuvert und teilte die Unterlagen an seine Klasse aus. Der Maturajahrgang 2013/14 im Stiftsgymnasium St. Paul im Kärntner Lavanttal ist einer der ersten, der die Reifeprüfung vollständig nach der neuen Zentralmatura ablegt. Am ersten Tag stand Deutsch auf dem Programm, heute, Dienstag, folgt Englisch, danach Spanisch (7. Mai), Französisch (8.), Mathematik (9.), Italienisch (12.), Latein (13.) und Griechisch (14.).

Verschobener Start

Noch ist die Zentralmatura ein Schulversuch - wenn auch schon ein sehr weit fortgeschrittener. So beteiligen sich etwa in Englisch 318 der 344 Gymnasien daran. Bei Französisch sind es 172, in Latein nur 55. Spätestens im kommenden Jahr ist die Zentralmatura dann für alle AHS verpflichtend, 2016 auch an den BHS.

Eigentlich hätten schon heuer alle Maturanten die selbe Reifeprüfung ablegen sollen. Nach heftigen Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern wegen mangelhafter Vorbereitung hat die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied den Start auf 2015 bzw. 2016 verschoben. Heuer ist also quasi die Generalprobe.

Die zentralisierte schriftliche Matura, bei der die Prüfungsaufgaben vom Bifie entwickelt und die vom Lehrer nach einem vorgegebenen Raster korrigiert werden, ist nur ein Teil der neuen standardisierten Reifeprüfung. Schon in den vergangenen Wochen und Monaten erarbeiteten die Schüler eine "Vorwissenschaftliche Arbeit" (VWA) mit 40.000 bis 60.000 Zeichen, die vor einer Kommission präsentiert werden muss. Den Abschluss bilden die mündlichen Prüfungen - zwei oder drei, je nachdem, ob die Schüler in drei oder vier Gegenständen schriftlich maturieren. Die mündlichen Fragen erstellen die Schulen übrigens selbst.

Vonseiten der AHS-Direktoren ist man mit den Vorbereitungen der Zentralmatura zufrieden. Diese seien "ordentlich und bemüht" gewesen, sagte Direktoren-Sprecher Wilhelm Zillner zur APA.

Schüler als Versuchskaninchen

Während Zillner dafür ist, die neue Reifeprüfung "nicht zu verteufeln", kommen von Schülervertretern immer noch Bedenken. Vor allem in Mathematik sehen sie ihre Einwände noch nicht ausgeräumt.

Harsche Kritik kommt auch von Stefan Hopman, Bildungswissenschafter an der Universität Wien. Die Schüler würden missbraucht als "Versuchskaninchen für eine Idee, die nicht gut und pädagogisch unvertretbar ist", so Hopman im Ö1-"Mittagsjournal". Aus seiner Sicht sollen die Fragen nicht vom Bifie, sondern von den Schulen kommen. Außerdem will er den schulischen Erfolg nicht von der Leistung eines Tages abhängig machen, sondern auch die bisherige Schullaufbahn der Schüler berücksichtigt sehen.

Auch für die frühere AHS-Direktorin und Bildungsaktivistin Heidi Schrodt ist es "grundsätzlich fragwürdig", dass die Leistung eines Tages für den Schulabschluss zählt, "andererseits ist es genau das, was wir an den Universitäten haben". Und darauf bereite die Matura ja schließlich auch vor.

Kritik vor allem an der Vorwissenschaftlichen Arbeit kam am Montag von FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz. In einzelnen Bundesländern sei die Genehmigung der Exposés für die VWA-Themenwahl, die beim Landesschulrat eingereicht werden müssen, "chaotisch verlaufen". Daher fordern die Freiheitlichen in einem Initiativantrag nun die Abschaffung der vorwissenschaftlichen Arbeit.

Laut "Kurier" wurden etwa in Niederösterreich Einreichungen abgelehnt, weil zum Beispiel Literaturangaben fehlten. Diesbezüglich hätte sich auch Direktoren-Sprecher Zillner "im Pilotdurchgang etwas mehr Großzügigkeit gewünscht".