Wien. Überwiegend positiv fielen die Stellungnahmen zu den Änderungen beim österreichischen Mammografie-Früherkennungsprogramm aus. Peter Husslein, der Vorstand der Wiener Universitäts-Frauenklinik, sagte der APA allerdings, dass eine direkte Zuweisung von Frauen zur Früherkennungs-Mammografie weiterhin möglich sein sollte.

Die wichtigen Änderungen, die mit 1. Juli umgesetzt werden, umfassen mehrere Maßnahmen: Grundsätzlich wird es weiterhin Einladungen an die Frauen zwischen 45 und 69 Jahre geben. Jene, die nicht warten wollen, können aber selbständig einen Termin beim Radiologen vereinbaren oder sollen vom Vertrauensarzt die entsprechende Empfehlung bekommen. Die E-Card gilt als "Schlüssel" für die Teilnahme. Erfolgt die Vorsorge-Mammografie, wird die Karte für diese Untersuchung für zwei Jahre gesperrt. Dann beginnt das Zwei-Jahres-Rad für die Einladungen zu laufen.

"Was lange währt, wird endlich gut", betitelte die Österreichische Krebshilfe ihre Stellungnahme. Deren Präsident, der Gynäkologe Paul Sevelda, sprach von einer "schwierigen Zeit der Gespräche und Verhandlungen" und einem nun erfreulichen Ergebnis "im Sinne der Sache". Sevelda appellierte aber an die politischen Parteien, den "gesundheitspolitischen Erfolg nicht parteipolitisch zu ,verkaufen‘."

Gerald Bachinger, Niederösterreichs Patientenanwalt, wies in seiner Reaktion auf die seiner Ansicht nach richtigen Eckpunkte des Programms hin, die nach wie vor aufrecht bleiben: zweijährige Untersuchungsintervalle, verbesserte Qualitätssicherung, ein zielgruppenspezifisches Einladungssystem und die verbesserte Fortbildung der Ärzte. Nach wie vor wird es nicht nötig sein, sich eine Zuweisung durch einen Arzt holen zu müssen.

Fehlende Diskussion


Hier hakte Husslein ein: "Ich anerkenne, dass ein Politiker (Gesundheitsminister Alois Stöger; Anm.) ein völlig verkorkstes System als solches erkennt und bereit ist, es zu ändern." Am "zentralen Fehler", dass die Vertrauensärzte der Frauen keine direkten Zuweisungen mehr durchführen könnten, änderten die Neuerungen aber nichts. "Das treibt einen Keil zwischen Arzt und Patientin. Es muss auch möglich sein, eine direkte Zuweisung zu machen. Denn nur dann ist auch gewährleistet, dass ich als Arzt den Befund auch bekomme."

Inhaltlich, sagte Husslein, seien die vorgesehenen Altersgruppen und die Zwei-Jahres-Intervalle in Ordnung. Der Gynäkologe vermisst aber eine für ihn längst fällige gesundheitspolitische Diskussion: Mammografien im Alter unter 40 Jahren bringen zu viele falsch-positive Befunde, über 70 Jahren handelt es sich bei Mammakarzinomen meist um sehr langsam wachsende Karzinome. "Was ich nicht einsehe, ist, dass ich als niedergelassener Arzt diese Diskussionen führen muss. Wir haben nicht das Geld, dass wir alles, was es gibt, von der Sozialversicherung finanziert bekommen. Aber das muss die Politik den Menschen sagen."