Wien. (pech) Das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das in den vergangenen Monaten durch eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen aufgefallen ist, wird restrukturiert. Genaue Pläne dafür gibt es aber noch nicht. Gabriele Heinisch-Hosek, die als Unterrichtsministerin für das Bifie politisch verantwortlich ist, hat nach einem Gespräch mit den beiden Direktoren Martin Netzer und Christian Wiesner am Donnerstag bestätigt, dass deren Verträge mit Ende Juli aufgelöst werden. Anschließend werde aus dem Ministerium eine interimistische Führung bestellt. Netzer habe ein Rückkehrrecht ins Ministerium, wo er einst Büroleiter von ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer war, Wiesner - er wird der roten Reichshälfte zugeordnet - an die Universität Salzburg.

Vor allem Netzer stand in der Kritik von Lehrern und Elternvertretern, da in seinen Zuständigkeitsbereich am Bifie die Zentralmatura fällt. Die heurige Zentralmatura galt als Probelauf, da diese im kommenden Jahr verpflichtend an allen AHS eingeführt wird, an den BHS erst ein Schuljahr später. Ob die Abwicklung künftig in das Ministerium wandert, konnte Heinisch-Hosek noch nicht sagen. Bildungsforscher Stefan Hopmann befindet im Interview (siehe unten), dass die Zentralmatura in einem Forschungsinstitut nichts verloren habe und ureigenste Aufgabe des Ministeriums sei und er bewertet den Rausschmiss der Direktoren als "Bauernopfer".

Pannen bei der Zentralmatura

Die Pannen bei der Zentralmatura: Statt 60 Prozent wie bei den bisherigen Probeläufen mussten in Englisch für eine positive Note 63 Prozent der Punkte erreicht werden, in Französisch mehr als 62 Prozent. In Mathematik musste die Matura an fünf Wiener AHS wegen fehlender Beispiele unterbrochen werden. Bei der Deutsch-Matura stand ein Text zur Auswahl, der nationalsozialistisches Gedankengut vertritt.

Heinisch-Hosek will nicht nur klären, von wem die Zentralmatura künftig betreut wird, sondern insgesamt eine Neuausrichtung des Bifie überlegen. Dieser Prozess werde im Sommer gemeinsam mit dem Bifie-Aufsichtsrat, den Schulpartnern sowie Experten gestartet. "Wir müssen analysieren, wie es mit der Bildungsforschung in Österreich überhaupt weitergeht." Viele hätten den Eindruck, es werde nur mehr getestet und kontrolliert.

Die von ihr zuletzt angekündigte Redimensionierung des Bifie ist dabei noch nicht fix. Auch die Frage, ob künftig nur noch ein Direktor an der Spitze des Bifie stehen soll, will die Ministerin mit dem Regierungspartner beraten. Eines sei aber klar: Eine komplette Reintegration des Bifie ins Ministerium werde es nicht geben.

Die Entscheidung des Wiener Stadtschulrats, die Zusammenarbeit mit dem Bifie komplett aufzukündigen, falle in dessen Kompetenz, meinte die Ministerin. Kritik sei natürlich angebracht - "aber man kann einem Bildungsforschungsinstitut vertrauen".

In der Opposition sieht man eine Mitverantwortung von Heinisch-Hosek. Der grüne Bildungssprecher Harald Walser macht sogar die Ministerin selbst als "Auslöser" fest: "Sie konstruierte eine Datenleck-Affäre, die es nicht gab. Am Bifie waren die Daten zu jeder Zeit sicher. Sie hat vorschnell einen Testungsstopp befohlen und die Vorbereitungen für die Zentralmatura wochenlang ausgesetzt. Der dadurch entstandene Zeitdruck für die schriftliche Matura (. . .) hat zu einem Versagen der Kontrollen wegen Überlastung des Personals geführt."

Wissen

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (Bifie) ist ein 2008 gegründetes Institut mit Departments in Wien, Salzburg und Graz. Es ist unter anderem für Zentralmatura, Bildungsstandard-Testungen und die Abwicklung internationaler Bildungsstudien wie Pisa zuständig und erstellt den alle drei Jahre erscheinenden Bildungsbericht.

Das Bifie ist aus mehreren dem Unterrichtsministerium unterstehenden Forschungsinstituten hervorgegangen und steht im Einflussbereich des Ressorts: Laut Bifie-Gesetz werden sowohl die beiden Bifie-Direktoren als auch die Mehrzahl des Aufsichtsrats und der wissenschaftliche Beirat vom Unterrichtsminister bestellt. Die Ausgliederung 2008 hat der Rechnungshof kritisiert: Es gebe dort zu viel Budget, zu viel Personal, zu wenig Kontrolle und zu wenig Effizienz.

Die einzelnen Departments widmen sich "Bildungsstandards und Internationalen Assessments", der "Standardisierten kompetenzorientierten Reife- und Diplomprüfung" und der "Evaluation, Bildungsforschung und Berichterstattung". Dazu kommt noch ein Department für Zentrales Management und Services.