Wien. Aufgeschoben statt aufgehoben: die heuer abgesagten Feldtestungen werden im Frühjahr 2015 stattfinden, die Haupttestungen im Herbst. Das hat das Bildungsministerium am Freitag bestätigt,nachdem zuvor die "Krone" berichtet hatte. Die Studie wird wie bisher vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführt.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte im März die Teilnahme an den im heurigen Frühjahr geplanten Feldtestungen wegen eines angeblichen Datenlecks beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) abgesagt. Die Absolvierung dieser Vortests ist Voraussetzung für die Teilnahme an den Haupttests im Jahr 2015. Im Februar waren auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht.

Alle drei Jahre
Das Programme for International Student Assessment (Pisa) ist der größte internationale Schüler-Leistungstest. Bei der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführten Studie werden alle drei Jahre die Kenntnisse von 15- bis 16-Jährigen Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

Bei der aktuellsten Ausgabe 2012 haben rund 500.000 Schüler aus 66 Ländern teilgenommen, aus Österreich waren rund 5.000 Jugendliche dabei. Dabei lagen die Ergebnisse der 15- bis 16-jährigen Österreicher zuletzt in der Mathematik signifikant über, in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt und in Lesen darunter. Die nächste PISA-Studie steht 2015 an, die Ergebnisse werden im Dezember 2016 präsentiert.

OECD-Ausnahmeregelung für Österreich
Die OECD hat laut Bildungsministerium eine Ausnahmeregelung gewährt, durch die die PISA-Teilnahme doch noch möglich wird. Als einziges OECD-Land findet in Österreich der Feld-und der Haupttest im gleichen Jahr statt. Über die Details informieren Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und PISA-"Erfinder" Andreas Schleicher am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Für die Begründung der ursprünglichen PISA-Absage mit Datensicherheits-Problemen beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) war Heinisch-Hosek heftig kritisiert worden. Die Uni Salzburg bot an, für das Bifie einzuspringen. Das Bundesland Oberösterreich wollte sogar im Alleingang an PISA teilnehmen.

Mit der Verschiebung der Feldtestungen auf das Jahr 2015 löse die Ministerin ihr Versprechen ein, die Datensicherheit beim Bifie ernst zu nehmen, hieß es aus dem Ministerium. Derzeit läuft noch eine Sicherheitsüberprüfung durch den TÜV Austria. Man werde sich wie angekündigt dieses Jahr Zeit nehmen, das Bifie zu reformieren und neu aufzustellen.

Lob von den Grünen
Die Grünen zollten Heinisch-Hosek Respekt für ihre Entscheidung. "Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Ministerin eine falsche Entscheidung zurücknimmt", so Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung. Das könne aber nur der erste Schritt sein: Man müsse auch die Ergebnisse der Studie ernst nehmen.