Wien. (sir) Plus eins. Das war das Ziel der Grünen, plus ein Mandat. Das klingt beim ersten Hinhören zwar nicht wirklich ehrgeizig, doch für dieses eine Mandat, das dritte, war das beste Ergebnis bei einer landesweiten Wahl notwendig. "Und zwar mit Abstand", ergänzt Stefan Wallner, Bundesgeschäftsführer der Grünen.

Die Voraussetzungen dafür waren allerdings schon einmal besser, was vor allem mit dem Antreten der Neos begründet wurde. Auf einmal war da eine neue Oppositionspartei, die gesellschaftspolitisch ähnliche Positionen vertrat. Und so war es nicht ganz überraschend, dass die Neos den Grünen bei der Nationalratswahl ähnlich viele Wähler abspenstig machen konnten wie der ÖVP.

Dass die Grünen nun dennoch das historisch erfolgreichste Abschneiden bei einer bundesweiten Wahl erreichen sollten, jenseits der 15 Prozent, dass sie im Kampf um den dritten Platz die Neos sehr eindeutig hinter sich ließen, kam insofern doch etwas überraschend. "Deshalb ist es ja auch ein Traumergebnis", sagt Wallner.

Das dritte Mandat, das große Ziel, ist so gut wie fix, unklar ist jedoch, wer die Sitze im Europaparlament bei den Grünen einnehmen wird. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit von allen Parteien am größten, dass es durch Vorzugsstimmen zu Umreihungen kommt.

Kampf um die Listenplätze

Vor allem Michel Reimon, der Listenzweite, und Madeleine Petrovic, die auf Platz fünf kandidierte, ritterten um Vorzugsstimmen. Ob dieser Kampf insgesamt der Mobilisierung grüner Wähler gedient hat? "Wir haben vor allem sehr starke Kandidaten gehabt mit all ihren Unterschieden", sagt Wallner. Für alle war etwas dabei. Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek, die erfahrene Europapolitikerin, Reimon, der Globalisierungskritiker, Monika Vana, die Sozialpolitikerin, Petrovic mit ihren Hauptthemen Tier- und Umweltschutz. "Es ist jetzt die sechste Wahl hintereinander, die wir gewinnen", sagt Wallner. Allerdings: Mit Ausnahme der Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten blieben die Grünen seit 2008 selbst bei Zugewinnen immer hinter den Erwartungen. Es war also immer ein Aber dabei. Diesmal ist das anders.

Feri Thierry, der Geschäftsführer der Neos, sprach sogar von einem "sensationellen Ergebnis" für die Grünen. Diesmal sind es die Neos, die trotz eines recht guten Resultats etwas unzufrieden sein mussten. "Es ist schön, dass wir im Vergleich zur Nationalratswahl zugelegt haben", sagte Thierry, der aber eine leise Enttäuschung nicht verhehlte. Man habe die Wirkung der Gegenkampagnen von Mitbewerbern unterschätzt, sagte Thierry.

Grüne in Vorarlberg Zweite

Zwei Teilergebnisse stechen bei Grünen und Neos besonders hervor, jene aus Wien und Vorarlberg, wo beide Parteien ein hohes Potenzial haben. Zumindest bei der EU-Wahl konnten die Grünen dies aber deutlich besser ausnützen, in Vorarlberg kletterten sie auf rund 22 Prozent, während die Neos im Vergleich zur Nationalratswahl nahezu stagnierten. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Wien, wo die Grünen sogar in neun Bezirken, darunter Hernals, Währing und Alsergrund, die relative Mehrheit erreichten. Im Herbst wird in Vorarlberg, in Wien 2015 gewählt.