Die geringste Wahlbeteiligung wiesen mit 26 Prozent übrigens diejenigen auf, die der EU weitgehend gleichgültig gegenüberstehen. Ärger über die Union konnte da schon mehr Leute für die Wahl mobilisieren, mit 41 Prozent blieb diese Gruppe aber immer noch unter der durchschnittlichen Wahlbeteiligung.

Von jungen Frauen
und älteren Männern


Der zweite große Graben, der Österreichs Bevölkerung beim Wahlverhalten teilt, ist das Alter. ÖVP und SPÖ, also die beiden stimmenstärksten Parteien, kamen gemeinsam bei den Unter-30-Jährigen nur noch auf rund ein Drittel der Stimmen, dafür vereinen sie bei der Generation 60plus gleich zwei Drittel auf sich. Überdurchschnittlich stark bei den Jungen schnitten Grüne und Neos ab, die FPÖ lag hier - anders als noch bei der Nationalratswahl im Herbst - lediglich im Durchschnitt (was wiederum mit der generell positiveren EU-Einstellung der Jüngeren zu tun hat). Allerdings ist zu beachten, dass der Anteil der Älteren an den Wahlberechtigten weitaus größer ist als jener der Jungen.

Der dritte Bruch im Wahlverhalten ergibt sich aus dem Geschlecht der Wähler. Bemerkenswert ist etwa, dass - sowohl bei den Wählern wie den Nichtwählern - Männer eine positivere Sicht auf die EU haben als Frauen; Letztere stehen insbesondere der Einführung des Euro kritisch gegenüber. Geradezu frappierend werden die Unterschiede, wenn man Geschlecht und Alter kombiniert. Die Wahlbeteiligung der Unter-30-jährigen Frauen ist mit 63 Prozent fast doppelt so hoch wie bei den gleichaltrigen Männern mit 36 Prozent. Besonders profitieren konnten davon die Grünen, während die FPÖ stark bei den jungen Männern abschnitt. Dieses Wahlverhalten dreht sich bei der Generation 60plus um, wo 55 Prozent der Männer, aber nur 40 Prozent der Frauen an der EU-Wahl teilnahmen. Männliche Senioren tendierten besonders stark zur Volkspartei, Frauen bevorzugten die Sozialdemokratie.

Im Vergleich zu den Faktoren EU-Einstellung, Alter und Geschlecht hatten Faktoren wie Bildung und Berufsstand vergleichsweise wenig Einfluss auf das Wahlverhalten. Dies deshalb, weil die EU-Befürworter unter den Wahlbeteiligten dominieren und diese traditionell über eine höhere Bildung und Berufsqualifikation verfügen. Unter Arbeitern betrug die Wahlbeteiligung daher lediglich ein Drittel.