Wien. Den einen gilt er als Spalter des bürgerlichen Lagers, in den andern weckt er die Hoffnung auf eine "neue ÖVP". Die Rede ist von Neos-Gründer Matthias Strolz. Ausgerechnet auf einer CV-Bude versuchte der quirlige Vorarlberger die Bedenken der Konservativen zu zerstreuen und erklärte, warum Pink auch für Schwarze wählbar ist. Dabei räumte er - für Politiker doch eher untypisch - auch Fehler ein.

ÖH-Vorsitzender für die Aktionsgemeinschaft an der Uni Innsbruck, Trainee bei der Industriellenvereinigung, parlamentarischer Mitarbeiter von Karlheinz Kopf - der Lebenslauf von Matthias Strolz klingt eigentlich wie der eines typischen ÖVPlers. Und Strolz hat ja auch lange für und mit der ÖVP gearbeitet. Doch irgendwann "war ich zu eingeschränkt", sagt er. Das Korsett einer Partei, die die verschiedenen Interessen ihrer Bünde unter einen Hut bringen muss, wurde ihm zu eng. Also beschloss er, etwas Neues zu machen, etwas Postideologisches, wie er sagt. Keine Ideologie mehr, die nur einschränkt, sondern Werte, die eine Basis bilden: Freiheit, Nachhaltigkeit, Authentizität, Wertschätzung und Eigenverantwortung.

Letzteres, die Eigenverantwortung, ist für Strolz der Punkt, der die Neos auch für Schwarze wählbar macht. Schließlich sei das ein Kernpunkt der christlichen Soziallehre, auf die sich Volkspartei aber auch Vorfeldorganisationen wie der Cartellverband gerne berufen.

Volkspartei und Cartellverband. Das gehört seit Jahrzehnten wie selbstverständlich zusammen. Das Gros der ÖVP-Regierungsmitglieder ist Mitglied einer katholischen Studentenverbindung und bislang gehörte ÖVP-Wählen für CVer dazu, wie das Amen zum Gebet. Allerdings gibt es auch hier immer mehr unzufriedene, die ihr Kreuz bei der Volkspartei weniger aus Überzeugung als aus Mangel an Alternativen machen.

"Der Wirtschaftsbund steht den Neos näher als der ÖVP"


Mit den Neos könnte es nun eine solche Alternative geben. Vor allem mit dem wirtschaftspolitischen Programm können viele mitgehen. Strolz selbst sagt: "Der ÖVP-Wirtschaftsbund steht den Neos politisch näher als der ÖVP." Und auch für CVer sieht er eine politische Heimat bei den Neos, wie er bei einer Diskussionsveranstaltung einer Wiener Studentenverbindung erklärte: "Das gibt das Programm her."

Tatsächlich gibt es einige Carteller, die bei den Neos mitmachen. Auch gewählt haben sie viele (bei der Nationalratswahl übrigens eher als bei der Europawahl). Doch es gibt Punkte, die viele abschrecken: die pinke Haltung zu Familie und Religion.