Wien. Die Debatte um Vermögenssteuern in Österreich könnte durch eine neue EU-Statistik neuen Aufwind bekommen. Denn laut Eurostat liegt Österreich bei der Gesamtbesteuerung von Arbeit (die Steuereinnahmen in Prozent der gesamten Lohnkosten, also inklusive Lohnnebenkosten und Lohnsummensteuern) innerhalb der EU an dritter Stelle und wird nur noch von Belgien und Italien geschlagen. Durchschnittlich gehen 41,5 Cent jedes verdienten Euros an den Fiskus, nur in Belgien und Italien liegt der Wert mit knapp 43 Cent pro Euro höher. Die Zahlen stammen aus 2012. Zu berücksichtigen ist aber, dass die Steuerbelastung in Belgien gegenüber dem Vorjahr sogar um 0,1 Prozentpunkte gesunken ist und in Italien trotz gewaltiger Anstrengungen zur Sanierung des Budgets nur um 0,5 Prozentpunkte gestiegen ist.

Bereits zu Monatsbeginn hatte die EU-Kommission eine Entlastung des Faktors Arbeit im österreichischen Steuern- und Abgabensystem gefordert. In ihren länderspezifischen Empfehlungen riet die EU-Behörde, dass Österreich "die hohe Steuer- und Abgabenbelastung der Arbeit von Geringverdienern senkt". Die Kommission schlug vor, die Steuerzahler an anderer Stelle zur Kasse zu bitten und plädierte für höhere Steuern auf Immobilien. Die Steuerbemessungsgrundlage für diese soll steigen.

Die Debatte um eine steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit wird in Österreich seit Jahrzehnten geführt, allerdings gibt es kaum spürbare Eingriffe. Die Regierung hat zuletzt die Lohnnebenkosten um 0,2 Prozentpunkte gesenkt, was zwar insgesamt Einnahmenverluste für den Fiskus von 200 Millionen Euro ausmacht, aber einen Betrieb pro Arbeitnehmer nur um etwa 30 Euro im Jahr entlastet: Ab Mitte des Jahres ist eine Reduktion des Unfallversicherungsbeitrags um 0,1 auf 1,3 Prozent vorgesehen. Anfang 2015 folgt eine analoge Senkung des Arbeitgeber-Beitrags zum Insolvenz-Entgelt-Fonds von 0,55 auf 0,45 Prozent.

Die Steuerbelastung ist von 2011 auf 2012 in der EU im Durchschnitt um 0,6 Prozentpunkte gestiegen, in Österreich betrug das Plus 0,9 Prozentpunkte. Noch schlimmer sieht es bei der Besteuerung von Arbeit aus, die EU-weit 51 Prozent zum Gesamtsteueraufkommen beiträgt, in Österreich sind es 57,4 Prozent. Da liegt Österreich nur noch hinter Schweden (58,6 Prozent) und hauchdünn hinter den Niederlanden (57,5) auf Platz drei. Nur in Bulgarien, Malta und Zypern übertreffen die Einnahmen aus Konsumsteuern jene aus der Besteuerung von Arbeit.

Immerhin liegt in Österreich die Steuerlast auf Konsum im EU-Schnitt und jene auf Kapital sogar deutlich darunter.

Steuerrechtsexperte Werner Doralt führt allerdings ins Treffen, dass bei einer Betrachtung der Steuerlast auch die Sozialleistungen Österreichs Berücksichtigung finden müssten. Diese seien im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr hoch.

Die Abgabenquote - Steuern und Sozialbeiträge in Prozent des BIP - ist 2012 in der EU 28 auf 39,4 Prozent gestiegen, berichtet Eurostat. In der krisengeschüttelten Eurozone wurde mit 40,4 Prozent sogar erstmals die 40-Prozent-Marke überschritten. Österreich liegt mit einer Gesamtbelastung von 43,1 Prozent im europäischen Spitzenfeld. Noch schwerer drückt die Steuerlast nur in Dänemark (48,1 Prozent), Belgien (45,4), Frankreich (45,0), Schweden (44,2), Finnland (44,1) und Italien (44,0 Prozent). Dagegen muten Abgabenquoten von 27,2 Prozent wie in Litauen oder 27,9 Prozent (Lettland und Rumänien) paradiesisch an.