Wien. Zeitenwende am österreichischen Glücksspielmarkt. Erstmals geht der staatsnahe Platzhirsch Casinos Austria bei neuen Casino-Lizenzen leer aus. Den Jackpot knackte der niederösterreichische Automatenriese Novomatic. Er holt sich laut "Presse" zwei von drei Lizenzen. Erster Standort: Der Prater, wo Novomatic bereits eine Automatenhalle mit 430 Geräten betreibt. Diese Automatenhalle soll nun in ein Casino umgebaut werden, allerdings mit einem klaren Fokus auf Automaten. Deren Anzahl soll auf bis zu 800 Geräte erhöht werden. Ohne Lizenz aus dem Finanzministerium hätte die Spielhalle ab nächstem Jahr wohl zusperren müssen, denn dann tritt ein Automatenverbot in Wien in Kraft.

Dieses Schicksal könnte das Novomatic-Casino Monte Laa im 10. Bezirk im Böhmischen Prater erleiden, das leer ausging. Im Vergleich zum Wurstel-Prater ist es allerdings kleindimensioniert.


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Johannes Schwarzenberg will privaten Park des Familienpalais öffnen - vorausgesetzt, es gibt die Lizenz für ein Casino.
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Mit dem zweiten Zuschlag schafft sich Novomatic ein Wahrzeichen in Niederösterreich: Wie von der "Wiener Zeitung" exklusiv berichtete, will der Konzern in Bruck an der Leitha ein Leuchtturmprojekt errichten, mit einem großen Spielbereich und einem 17-stöckigen Hotel, das, bestückt mit blinkenden, überdimensionierten Jetons, schon vom Landeanflug auf Wien zu sehen sein soll.

Schillerndes Casino hinter dem Russen-Denkmal

Die größte Überraschung bei der Vergabe ist der Zuschlag für den künftigen Hauptkonkurrenten der Casinos Austria: Das Palais Schwarzenberg. Die Schweizer Stadtcasinos Baden haben sich dort gemeinsam mit der deutschen Gauselmann-Gruppe beworben. Das einzige ausländische Projekt galt zunächst als weniger aussichtsreich, weil es dem Casino in der Kärntnerstraße direkte Konkurrenz macht. Doch die Pläne, das marode Anwesen zu sanieren und im Gartenbereich auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, dürften nicht zuletzt Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) überzeugt haben.

Offiziell hat die Vergabe ein Glücksspielbeirat entschieden, der Bieter nach strengen Kriterien wie Spielerschutz und Erfahrung gelistet hat. Doch am Ende dürfte doch die Politik alleine entschieden haben. Denn früheren Medienberichten zufolge hätte der Beirat bei allen drei Lizenzen die Casinos Austria favorisiert. Doch die gehen leer aus.

Ob Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) oder doch die fürs Glücksspiel zuständige Finanz-Staatsekretärin Sonja Steßl (SPÖ) die Letztentscheidung trafen, ist ungewiss. Denn beide verwiesen auf den jeweils anderen. Am Ende entschieden wohl weder sie noch er alleine. Denn neben Häupl hatte, was Niederösterreich betrifft, Landeshauptmann Erwin Pröll seine klaren Präferenzen. Er soll sich klar für Bruck a.d. Leitha ausgesprochen und entsprechend dafür geworben haben.

Härtere Zeiten für Ex-Monopolisten

Ein Dreier-Zuschlag für die Casinos Austria wäre außerdem wettbewerbsrechtlich schwer zu halten gewesen. Das dürfte wohl auch Spindelegger bewusst gewesen sein. Denn bei den letzten Runden machten immer sie das Spiel und vereinigten 12 Konzessionen auf sich. Nun bekommen sie eine starke Konkurrenz vor die Türe und gehen mit allen drei Bewerbungen leer aus. Am ehesten dürfte man sich bei den Casinos noch Chancen für das Projekt in Krems ausgerechnet haben. Doch vom wirtschaftlichen Potenzial ist Bruck a. d. Leitha mit seiner Nähe zur Slowakei und Ungarn, direkt gelegen an der A4, ein größerer Brocken. Außerdem sind die Novomatic für Landeshauptmann Erwin Pröll ein wichtiger Leitbetrieb und Sponsor von Kunst- und Kultur.

Wie die Abkehr von der ursprünglichen Beiratsempfehlung allerdings argumentierbar ist, und ob diese überhaupt nachweisbar sein wird, das wird sich weisen. Spannend ist nun, ob die Casinos gegen die Entscheidung klagen. Auch in Bruck a. d. Leitha sind noch Fragen offen, weil sich grüner Widerstand dagegen formiert hat. Doch nun knallen zunächst einmal die Sektkorken.