Wien. "Die gonze Wöd is am Grinsn den gonzn longen Tog, die Menschen hom’s irgendwie kapiert / weil sie glaub’n nimma an Zinsn oder an ,EU-Vertrag’ und hom gemeinsam Fukushima repariert. . .Hey! Hey! Welcome to Freedom! All those rules - we don’t need them."

Diesen Song geben Johannes Kreissl und Jean Nolan in einem Youtube-Video, hochgeladen am 8.2.2014, zum Besten. Da war die Botschaft, die das Lied transportiert, schon längst Programm für die "Freeman"-Bewegung. Freeman sehen sich nicht als Teil der Republik Österreich und anerkennen die "angeblichen Gesetze und Rechte" nicht. Die Freeman-Bewegung hat Joe Kreissl 2012 gegründet. Kreissl hat unter "Otto-Normal-Verbraucher" einen Wahlkampfsong für Frank Stronach verfasst und hat diesen im Wahlkampf 2013 eingepeitscht. Kreissl ist Sohn von Hanneliese Kreißl-Wurth, die für Stronach im ORF-Publikumsrat sitzt. Die Komponistin hat unter anderem den Stoakogler-Schlager "Steirerman san very good" geschrieben.

Die Begleitmusik zum Programm von Stronach


Ans Team Stronach angedockt hat im Wahlkampf auch Jean Nolan mit seinem Song "Hand in Hand". Den performte er auch bei der imposanten Präsentation von Stronachs Wahlprogramm in Wiener Palais Ferstl. Mit dem Programm von Freeman war das längst nicht mehr vereinbar. Kreissl hatte bereits im Frühjahr 2012 ein öffentliches Schreiben an den Bundeskanzler, das Innenministerium und den Obersten Gerichtshof geschickt, in dem er sich zum "souveränen, spirituellen Wesen" und "freien Bewohner des Planeten Erde" erklärt, der sich selbst verwaltet und keine Verträge anerkennt. Er forderte pro Lebensjahr fünf Millionen Euro Schadensersatz, weil der Staat - sinngemäß - "die Person Johannes Kreissl" für sich vereinnahmt habe. Am Geldsystem wolle er zwar teilnehmen, Rechnungen werde er aber nur ohne Steuern bezahlen.

Showdown der Rechtssysteme im Waldviertel


Dieser Art des Rechtsverständnisses folgend wollte am Montag eine Gruppe namens OPPT ein "Volkstribunal" im Ort Hollenbach im Waldviertel in Niederösterreich abhalten. "Freeman" und die internationale Bewegung OPPT sind eng verbunden, in Lehrvideos von Kreissl und Nolan werden meist beide Namen erwähnt.

Die "Verhandlung nach Naturrecht" und "Common Law" in Hollenbach war gegen die Sachwalterin einer Frau gerichtet, die offenbar Mitglied von OPPT war. Auf ihrem Bauernhof hielten sich zum Zeitpunkt der "Verhandlung" über 100 Anhänger auf.