Wien. Ein Wiener Verein hat sich der Deradikalisierungs- und Präventionsarbeit mit von dschihadistischer Ideologie beeinflussten Jugendlichen verschrieben. Das "Netzwerk Sozialer Zusammenhalt" sei eine Initiative, die sich auf die Expertise von Muslimen, Jugendarbeitern und Wissenschaftern stütze, erklärt Vereinschef Moussa Al-Hassan Diaw.

Die Initiative sei entstanden, nachdem sich immer wieder Angehörige und Lehrer an den Vereinsobmann und islamischen Religionspädagogen Diaw sowie seinen Stellvertreter, den Politikwissenschafter Thomas Schmidinger, gewandt und Hilfe im Umgang mit Dschihadismus erbeten hatten. Das Netzwerk, das von Experten und Aktivisten zum Thema Dschihadismus und Radikalisierung gegründet wurde, will "die unterschiedlichen von der Problematik betroffenen Institutionen und NGOs zusammenführen.

Demnächst werde der Verein der Politik "Vorschläge für eine professionelle Arbeit" im Deradikalisierungs- und Präventionsbereich vorlegen. Derzeit würden schon Familien und Jugendliche vom Netzwerk betreut. Geplant sei etwa der Aufbau einer Beratungsstelle, eines Think Tanks und eines Schulungsangebots für Behörden, Schulen und Sozialarbeiter. Die im Verein aktiven Angehörigen von Betroffenen würden eine "Selbsthilfegruppe für Angehörige" aufbauen.

"Es muss etwas getan werden"


"Muslime unterschiedlichster Ausrichtung" unterstützen das Vorhaben laut Diaw. "Uns Muslimen ist klar, dass die Radikalisierung von Jugendlichen und der Weg zu Terrorgruppen wie dem selbsternannten ,Islamischen Staat’‘ (IS, Anm.) ein großes Problem ist." Bei der Mehrheit der Muslime herrsche ein Konsens darüber, dass der IS "sich in keinster Weise auf den Islam berufen könne und Terrorismus konsequent abzulehnen sei.

Der Politikwissenschafter Schmidinger richtete sich mit einer klaren Botschaft an die heimische Politik: "Mittlerweile ist den meisten klar, dass etwas getan werden muss", erklärte er. Der Politik sollte klar sein, dass Gelder, die in Deradikalisierungs- und Präventionsarbeit fließen, "gut investiert" seien.

Die Gründer stehen eigenen Angaben zufolge seit Jahren "in Kontakt mit ähnlichen Initiativen in anderen europäischen Staaten". Diaw sei etwa beim "Radicalisation Awarness Network" (RAN) der Europäischen Kommission aktiv gewesen. Schmidinger kooperiere mit Beratungsstellen in Deutschland. Wichtig ist dem Netzwerk eine Trennung von den Behörden und der Polizei. "Eltern von Betroffenen werden sich nicht melden, wenn sie befürchten müssen, dass dann deswegen ihr Sohn oder ihre Tochter festgenommen wird", betonten sie.