Wien. (del/apa) FPÖ-Vize Johann Gudenus hat am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz seine heftig kritisierte Rede in Moskau verteidigt. Die FPÖ besuche verschiedene Länder und er, Gudenus, sei bei seiner Reise um Deeskalation und Neutralität bemüht gewesen. Zu seiner Aussage, dass Europa von einer "Homosexuellen-Lobby" regiert werde, sagte Gudenus: "Ich bin ein Familienlobbyist, der für den Schutz und die Stärkung der traditionellen Familie eintritt." Deshalb sei er auch beim "Internationalen Forum für Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit" aufgetreten. Er befürworte zwar Rechte für Homosexuelle, sei aber gegen eine Gleichstellung bei Ehe und Adoption.

Rückendeckung gab es von seinem Parteiobmann Heinz-Christian Strache. "Es gibt viele Lobbys. Und es gibt auch eine Lobby, die sich dafür einsetzt, dass es Homosexuellenrechte gibt", sagte Strache bei der Pressekonferenz. Er nutzte die Gelegenheit, um abermals die EU-Sanktionen gegen Russland zu verurteilen. Er sehe damit die Neutralität Österreichs gefährdet, sagte er und bezeichnete die geplanten Sanktionen als "Wirtschaftskrieg". Der Regierung warf Strache "Verfassungsbruch" und eine "neutralitäts- und wirtschaftspolitische Geisterfahrt zum Schaden Österreichs" vor. Er sehe Österreichs Rolle darin, mit allen zu reden.

Im Rahmen seiner Reise war Gudenus am Sonntag auch als Wahlbeobachter zur Gouverneurswahl in St. Petersburg tätig. Er fand überaus lobende Worte für die russischen Wahlen und befand, dass sie sich "positiv von den Wahlen in das Europaparlament abheben". Wahlsieger ist übrigens der seit 2011 amtierende Gouverneur Georgi Poltaw-
tschenko von der Putin-nahen Partei "Einiges Russland". Seine stärkste Konkurrentin, die Duma-Abgeordnete Oksana Dimitrijewa, durfte erst gar nicht zur Wahl antreten. Von regierungsfreundlichen, russischen Regionalmedien erntete Gudenus Lob für "seine Expertise".

Suche nach Verbündeten

Zu seiner Rolle als Wahlbeobachter sagte Gudenus gestern, dass die Wahlen geordnet und frei verlaufen seien und "sicher nicht an eine Diktatur erinnern". An EU-Maßstäben wollte er sie dennoch nicht messen.

Der Politologe Peter Filzmaier erklärt die guten Beziehungen der FPÖ zu Russland mit der Suche nach Verbündeten. Wladimir Putin und die Freiheitlichen verbinde der Anti-EU-Kurs. "Die FPÖ ist innerhalb der EU-Staaten isoliert, abgesehen von einer Fraktion, die doch nicht gegründet wurde und damit im Parlament wenig Betätigungsfelder hat", sagte Filzmaier zur "Wiener Zeitung". Deshalb seien Allianzen auch außerhalb der EU strategisch sinnvoll. Und auch Russland brauche Verbündete innerhalb der EU.