In ihren Bildern dominieren Blau, Türkis, Lila und Weiß. Pandas und Rehe scheinen es ihr angetan zu haben. Die Ästhetik ihrer mystischen Landschaften erinnert an die Achtziger Jahre, an Goa-Partys und Kitsch.

Die Argentinierin stammt aus Buenos Aires und betreibt in São Paolo eine Street-Art-Galerie, wo sie auch klassischere Arbeiten zeigt. Sie ist eine von drei lateinamerikanischen Künstlern, die beim Festival auch vor Ort sein werden - zwei davon sind Frauen. Neben der Argentinierin zeigen auch der Brasilianer Akuma und die ebenfalls aus Brasilien stammende Fefe Talavera ihre Arbeiten. "Wir wollten bewusst die Männerdomäne Street-Art sprengen", so der Veranstalter.

Am 20. und 21. September wird Marina Zumi am Donaukanal beim Flex ab jeweils 16 Uhr eine große Wand bemalen und sich dabei auf die Finger schauen lassen. Am 25. September folgt dann ab 18 Uhr ein Workshop im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Mumok), wo sie über ihren Zugang zur Kunst spricht und den Effekt, den Street-Art im urbanen Raum hat. Außerdem lädt sie junge Menschen und Jugendliche dazu ein, eigene Tier- oder Naturmotive mitzubringen, um sie beim Workshop als abstrahierte Formen in eigene Bilderlandschaften einzubauen.

Über ihren Workshop im Wiener Mumok sagte sie im Vorfeld im Gespräch mit einer brasilianischen Ausgabe des Red Bull Magazins: "Ausgerechnet ich. Dabei habe ich noch nicht mal Kunst studiert." Graffiti und Street-Art sind ursprünglich Kunstformen von Freidenkern und Autodidaktinnen. Doch unter den heutigen Künstlern findet man mittlerweile auch viele Hochschulabsolventinnen und Grafikdesigner.

Streit in der Szene

Die Subkultur hat längst den Mainstream erreicht. Diese Kommerzialisierung sei ein "Streitthema in der Szene", meint der Festival-Veranstalter Jakob Kattner. Unter den Graffiti-Künstlern gibt es viele Puristen, die der Meinung sind, dass nur klassische, mit der Farbdose gesprühte und illegale Graffiti als solches zu bezeichnen sind.

Street-Art ist per se offener und umfasst viele Kunstformen. Beim Festival werden neben klassischer Spray-Kunst auch Holzarbeiten zu sehen sein, außerdem beklebte Fliesen, Schablonen-Kunst und Moosgraffiti, welches eine Form des Guerilla Gardenings darstellt. Bei der Ausstellung, die am 19. 9. ab 19 Uhr in der Aula der Akademie der bildenden Künste beginnt, wird es außerdem auch Skulpturen und Installationen zu sehen geben.

Street-Art steht im Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz. Dabei sei es im Interesse der Künstler, ihre Arbeiten publik zu machen: "Letztendlich wollen sie ja auch Geld verdienen. Gerade in Lateinamerika wird die Kommerzialisierung überwiegend positiv wahrgenommen", sagt Kattner. Von den Wiener Künstlern ist unter anderem der Sprayer und Street-Artist "busk" vertreten, dessen Schriftzug in Wien omnipräsent ist.

In Wien hatte unlängst der Prozess gegen den Schweizer Renato S. für Aufsehen gesorgt, der als "Puber" seine Schriftzüge in Wien verteilte hatte und dafür mit 14 Monaten Freiheitsstrafe wegen schwerer Sachbeschädigung, davon zehn Monate bedingt, bestraft wurde. Beim Calle-Libre-Festival sind die Künstler nur mit ihren "Sprayer-Namen" vertreten, anonym sind sie deshalb noch lange nicht.