Bregenz. Die ÖVP wird im neuen Landtag voraussichtlich 16 von 36 Sitzen einnehmen. Die Freiheitlichen kommen auf 9, Grüne auf 6, die Sozialdemokraten auf 3 und die NEOS auf 2. Damit dürften die Optionen Schwarz-Rot und Schwarz-NEOS nur theoretischer Natur sein. Nach der Landtagswahl bleiben als realistische Koalitionsvarianten nur Schwarz-Blau oder Schwarz-Grün übrig. Schwarz-NEOS dürfte keine Mehrheit bekommen, Schwarz-Rot nur eine schwach abgesicherte. Zudem wäre dies die Koalition der Wahlverlierer.

Bereits vor dem Urnengang hatten die Parteichefs Dieter Egger (FPÖ) und Johannes Rauch (Grüne) um eine Zusammenarbeit mit der ÖVP gebuhlt. Beide stellten aber auch klar, dass es mit ihnen für die ÖVP keine Koalition zum Nulltarif geben wird.

Gegen eine ÖVP-FPÖ-Koalition - die es von 1949 bis 2009 gab - spricht nach wie vor der "Judensager" von Egger aus dem Wahlkampf von vor fünf Jahren. Egger hat sich für seine an Hanno Loewy gerichteten Worte nie öffentlich entschuldigt, weshalb ihn der damalige Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) aus der Regierung warf. Für eine Zusammenarbeit spricht hingegen, dass sich die Parteibasis der ÖVP wohl noch am ehesten mit den "Blauen" anfreunden kann.

Knackpunkt für ein Zusammengehen mit den Grünen könnte für die ÖVP die Haltung der Öko-Partei zu zwei großen Verkehrsprojekten im Land sein - der Tunnelspinne in Feldkirch und der Autobahnverbindung im unteren Rheintal. Beide Projekte werden seit Jahren oder Jahrzehnten öffentlich diskutiert, Lösungen stehen im Raum. Mit den favorisierten Ansätzen sind die Grünen aber nicht zufrieden. Umgekehrt ist Rauch der große Sieger der Landtagswahl, was ihm Rückenwind in den Verhandlungen geben dürfte.

ÖVP-Parteichef Landeshauptmann Markus Wallner hat zu seinen Kollegen bei den anderen Parteien ein grundsätzlich gutes Verhältnis. Persönliche Animositäten hegt er weder gegen Egger, Rauch noch gegen SPÖ-Chef Ritsch. Der Landeshauptmann hat vor der Wahl angekündigt, mit allen Parteien Gespräche führen zu wollen.