Mit pinkem Lidschatten schaut Josef II. von der Mauer. - © Weidinger
Mit pinkem Lidschatten schaut Josef II. von der Mauer. - © Weidinger

Wien. Als der Bürgerkaiser Josef II. 1775 den Augarten - zum Entsetzen des Adels - für jedermann öffnete, hätte er wohl kaum damit gerechnet, mehr als 350 Jahre später mit lila-oranger Perücke und pinkem Lidschatten von der Mauer zu blicken.

Es ist der serbische Street-Art-Künstler Artez, der gemeinsam mit der 6A-Klasse des Brigittenauer Gymnasiums ein 30 Meter langes Mauerstück am nordwestlichen Spitz des Augartens, vis-à-vis der Schule zum Kunstwerk macht. Die finanzielle und organisatorische Unterstützung übernehmen Aktionsradius Wien sowie KulturKontakt Austria. "Die Mauer, die den barocken Park umgibt, hat bereits einige Be- und Übermalungen erlebt", weiß Burghauptmann Gerhard Gabler zu berichten. Trotzdem müsse man vorsichtig sein - die weiße Wand wäre vielen Anrainern heilig. Dementsprechend polarisierte auch das Projekt von Anfang an.

Am Ende blicken der Kaiser und Junia, der Hund des Künstlers Artez, umgeben von einem langen Schal von der Wand, den wiederum die Schüler gestaltet haben. "Jeder konnte malen, was ihm wichtig ist", erklärt Artez das Konzept seines Workshops "City is my playground".

In den bunten Rechtecken reiten Kamele, schauen Pharaonen und wälzen sich Panzer über die Wand. "Wir waren selbst erstaunt darüber, dass viele der Jugendlichen sofort Symbole gewählt haben, die mit ihrer Herkunft zu tun haben", sagt Trinker. Intensive Auseinandersetzung mit Herkunft und politischen Botschaften wird so zum Teil des Projekts. "Wir haben uns bewusst für einen nicht-österreichischen Künstler entschieden, um all das auch thematisieren zu können", fügt sie hinzu. Viele ihrer Schüler würden an ihren späteren beruflichen Chancen zweifeln. Der Kontakt mit Artez hätte sie ermutigt, dass Erfolg keine Frage des nationalen Hintergrundes sein muss.

Burghauptmannschaft, Schule und der Aktionsradius beobachten nun die Reaktionen auf das Projekt, um über die künftige Nutzung der Mauer als Street-Art-Fläche zu entscheiden.