- © Holger Hollemann/epa/picturedesk.com
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Wien. Genaue Zahlen gibt es nicht, nur grobe Schätzungen von 3000 oder gar 4000 Europäern, die sich den mordenden IS-Truppen in Syrien angeschlossen haben sollen. Es mag nur ein Teilaspekt des gesamten Horrors sein, und doch ist es für die EU-Staaten ein sehr wichtiger, weil es eben auch ihre Bürger sind, die in Syrien und dem Irak kämpfen - und die in Europa radikalisiert wurden.

Wie Europas Staaten mit dieser Entwicklung umgehen sollen und müssen, wird zwar seit Wochen landauf, landab debattiert, doch erst langsam werden die Schlagwörter wie Prävention, Deradikalisierung und Strafrechtsverschärfung auch mit konkreten Maßnahmen und Konzepten angereichert.

Eine Anlaufstelle für Betroffene, vor allem für deren Eltern und Freunde, ist vom Innenministerium angedacht, allerdings schon seit dem Februar. "Aber bis heute ist nicht klar, wo diese angesiedelt sein soll", sagt die grüne Integrationssprecherin Alev Korun. Sie fordert eine "multiprofessionelle Anlaufstelle", in der sich psychologische und soziale Kompetenz ebenso wiederfinden wie Personen, die sich intensiv mit dem Thema Radikalisierung auseinandergesetzt haben, beispielsweise Islamforscher.

Aycan Demirel arbeitet vor allem mit jungen Muslimen. - © Grüne
Aycan Demirel arbeitet vor allem mit jungen Muslimen. - © Grüne

Außerdem wünscht sich Korun eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, Zivilgesellschaft und muslimischen Vereinen, um gemeinsam gegen religiöse Radikalisierung sowie gegen antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus aufzutreten. Eine dritte Forderung der Grünen ist die Stärkung von zivilgesellschaftlichen Initiativen, die bei der politischen Bildung von Jugendlichen ansetzen. Eine solche ist auch der Verein KIgA aus Berlin, er steht für Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus.

Auf Einladung des Grünen Parlamentsklubs war Mitgründer Aycan Demirel auf Kurzbesuch in Wien, er referierte über die Arbeit des Vereins, der 2003, kurz nach den antisemitischen Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul, gegründet wurde. KIgA erarbeitet vor allem pädagogische Konzepte, die in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zur Anwendung kommen. Auch Austauschprojekte zwischen Deutschland und Israel werden organisiert ebenso wie Ausstellungen. Im Vordergrund steht vor allem die Informationsvermittlung.

"Wiener Zeitung": KIgA gibt es seit mehr als zehn Jahren, inwieweit hat sich die Arbeit jetzt durch den IS-Terror verändert?