Maria ist Architektin und seit kurzem mit ihrem Studium fertig. Sie arbeitet für ein Architekturbüro, muss jeden Tag in die Arbeit, muss Urlaube mit ihren Arbeitgebern absprechen und ist nur für diesen einen Auftraggeber tätig. Trotz allem ist sie als freie Dienstnehmerin auf Werkvertragsbasis beschäftigt und verdient 1200 Euro brutto monatlich - kein Urlaubsgeld, kein Krankenstand, selbst versichert. Sie ist eine sogenannte "Working Poor". Das sind Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Vor allem junge Akademiker und Hilfsarbeiter, häufig aus den neuen EU-Ländern, rutschen in die Scheinselbständigkeit. Sie sind als Regalbetreuer, Webdesigner oder als Maler auf der Baustelle tätig, ohne dabei angestellt zu sein, obwohl viele die Voraussetzungen einer unselbständigen Arbeit erfüllen. Für ihre Arbeitgeber sind sie allerdings eine sehr billige Alternative im Vergleich zu Angestellten. "Ich schätze, dass mindestens ein Drittel der Selbständigen in Wahrheit scheinselbständig ist", sagt Kronberger. Hinzu kommt, dass manche oft nicht wissen, dass sie nicht angestellt sind und sich selbst versichern müssen. Das sei vor allem bei ausländischen Arbeitnehmern so, erklärt eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Rumänen und Bulgaren, Kompas. Sie werden über Personalleasing-Firmen angeheuert und werden weder über ihre Rechte noch über ihre Pflichten aufgeklärt.

Hohe Abgaben


Dem widerspricht Thomas Neumann von der SVA, der in der Selbständigkeit auch eine Chance sieht. Er wirft der Gebietskrankenkasse vor, bei Kontrollen auch jene Menschen als unselbständig Arbeitende einzustufen, "die gern selbständig sind" und damit auch die Arbeitgeber zu belasten. Außerdem sei ein Drittel der SVA-Versicherten nebenberuflich frei und habe auch andere Einkünfte. Trotzdem sind die Versicherungsbeiträge für viele eine Belastung. Herr Dulal muss etwa monatlich 41,12 Euro von seinen 600 Euro an die SVA zahlen. Eine zusätzliche, freiwillige Arbeitslosen- und Krankenversicherung kann er sich nicht leisten und bekommt somit Krankengeld erst nach dem 42. Krankheitstag und kein Arbeitslosengeld. Außerdem werden seitens der SVA einkommensabhängige Beiträge erst nach drei Jahren fällig. Für die Nachzahlung zu sparen können sich aber nicht alle leisten.

Eine Dame geht an der Entnahmebox vorbei und kauft Dulal eine Zeitung ab. Er lächelt. "Schauen Sie, 20 Cent Trinkgeld!"