Wien. (del) Ab heute arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern bis Jahresende gratis; zumindest wenn es nach der Einkommensstatistik geht. Im Schnitt verdienen Frauen in Österreich nämlich um 22,7 Prozent weniger als Männer. Einer Umfrage der Arbeiterkammer zufolge wird ein Drittel der Frauen bei gleicher Qualifikation noch immer schlechter entlohnt. Anlässlich des heutigen Equal Pay Days fordern deshalb Parteien und Interessenvertretungen mehr Gehältertransparenz und eine Schließung der Einkommensschere.

Gründe in der Jobwahl


Dass Frauen weniger verdienen, liegt auch an der Jobwahl. Sehr viele entscheiden sich weiterhin für traditionell weibliche Berufe, etwa im Sozial- oder Bildungsbereich. 50 Prozent der Lehrlingsanwärterinnen entscheiden sich für die gleichen drei Lehrberufe - allen voran die Frisörin. Und weiblich dominierte Berufe werden in der Regel schlechter entlohnt als männlich geprägte Berufssparten wie Technik oder Baugewerbe.

Regina Petriks, Landessprecherin der Grünen im Burgenland, testet im Rahmen des Projekts "Regina will’s wissen" zehn Monate lang zehn Berufe. Sie hat als Servicekraft, Erntehelferin, Näherin, Supermarkt-Angestellte und zuletzt als Bauarbeiterin gearbeitet. Fazit: "Am Lohnzettel sieht man den Unterschied sofort", sagt Petriks zur "Wiener Zeitung". In männlich dominierten Jobs habe sie fast doppelt so viel verdient wie in den klassisch weiblichen. "Früher waren Frauen eher Zuverdienerinnen. Und das sieht man heute noch in den niedrigeren Kollektivverträgen der klassisch weiblichen Berufe", sagt Petriks.

Weitere Gründe für die niedrigere Entlohnung von Frauen sind die längeren Kinderbetreuungszeiten im Vergleich zu Männern und die Teilzeitarbeit, die immer noch eher Frauensache ist.

Um Gehältertransparenz zumindest auf der gleichen beruflichen Ebene zu schaffen, müssen ab heuer auch Unternehmen mit mindestens 150 Mitarbeitern, statt wie bisher mit 500, Einkommensberichte veröffentlichen. In den vergangenen Jahren haben die Lohnunterschiede leicht abgenommen. 2004 lag der Equal Pay Day noch am 23. September, also 17 Tage früher.