Der "Islamische Staat" in Nordsyrien und dem Nordirak wurde im Juni ausgerufen; am 22. August kündigte Vize-Generalsekretärin Claudia Bandion-Ortner an, eine "internationale Front gegen IS" aufstellen (Bandion-Ortner war ÖVP-Justizministerin, die ÖVP hat das KAICIID im Parlament mitbeschlossen). Am 21. August hatte der Grüne Bundesrat Efgani Dönmez die fehlende Distanzierung zum IS angeprangert.

Am 25. September erklärte Außenminister Kurz am Rande der UN-Generalversammlung, "das Wiener Dialogzentrum soll eine gemeinsame Erklärung aller dort vertretenden Weltreligionen herausgeben, mit der die Verbrechen der IS-Terroristen scharf verurteilt und die Ablehnung dieser Barbarei als gemeinsame Aufgabe aller Religionen herausgestrichen wird". Ein entsprechendes Statement folgte auch prompt auf der Homepage.

"Darf kein Feigenblatt sein"


Nun sagt Bandion-Ortner zur "Wiener Zeitung": "Wir veranstalten demnächst eine Konferenz, um herauszufinden, wie man in der Region einen gemeinsamen Sinn für soziale Verantwortung, Bürgerrechte und Bürgerpflichten stärken kann." Eine gewagte Themenwahl für ein Kriegsgebiet mit Völkermordkomponente.

Auf die Frage, wie sich der IS so ausbreiten konnte, meint sie: "Wir sind ein Dialogzentrum und diese Analyse fällt nicht in unsere Expertise." Gefragt danach, welchen Plan der Geldgeber Saudi-Arabien verfolge, meint sie: "Das weiß ich nicht." Und warum sich das Abdullah-Zentrum nicht auch um die Menschenrechte in den arabischen Golfstaaten kümmert? "Das sollten Sie die Regierungsautoritäten in den Golfstaaten fragen. Wir sind ein Dialogzentrum. Unser Job ist, die Menschen zu einem Dialog zu bewegen."

Parteikollege Kurz sieht diese Fragen nicht derart getrennt voneinander: "Das Wiener Zentrum soll kein Feigenblatt sein. Der Erfolg des Zentrums misst sich letztlich daran, inwieweit der gegenseitige Respekt der Religionen auch in die Tat umgesetzt wird. Die freie Ausübung der Religion ist in Saudi-Arabien bis dato rechtlich nicht realisiert", sagte er in seiner Adresse an das KAICIID.

Der Eindruck, das Zentrum tue nichts, sei falsch, sagt Bandion-Ortner. Kurz sei Anfang September über die geplante Konferenz informiert worden. Mitte August habe man die Suche nach Dialog-Partnern der UNO mitgeteilt. Wann die Konferenz für mehr Bürgerrechte im Nahen Osten folgt, bleibt offen. An saudischem Geld für Wien wird es jedenfalls nicht Mangeln. Das hat übrigens Tradition. Die einzig große Moschee Österreichs, das Islamische Zentrum (IZ) in Wien Floridsdorf, wurde in den 70er Jahren von den Saudis errichtet.