Team ÖIAG-Reform: Norbert Zimmermann (Berndorf), Erich Foglar (ÖGB), Werner Muhm (AK), Hans Jörg Schelling (ÖVP), Wolfgang Brandstetter (ÖVP), Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Werner Faymann (SPÖ) und Brigitte Ederer (ÖBB) sollen das ÖIAG-Reformpapier ausarbeiten. - © apa/Pfarrhofer, Neubauer, Fohringer, epa/Bouvy, apa/Hochmuth, Jäger, bka/Aigner
Team ÖIAG-Reform: Norbert Zimmermann (Berndorf), Erich Foglar (ÖGB), Werner Muhm (AK), Hans Jörg Schelling (ÖVP), Wolfgang Brandstetter (ÖVP), Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Werner Faymann (SPÖ) und Brigitte Ederer (ÖBB) sollen das ÖIAG-Reformpapier ausarbeiten. - © apa/Pfarrhofer, Neubauer, Fohringer, epa/Bouvy, apa/Hochmuth, Jäger, bka/Aigner

Wien. "Die Umsetzung unserer Strategie liegt im Plan, da Eigentümer und Management an einem Strang ziehen. Die ÖIAG hat gemeinsam mit dem Syndikatspartner IPIC unseren Kurs unterstützt und mit ihren Entscheidungen einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg geleistet. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit unseren stabilen Kernaktionären." So wird Gerhard Roiss im jüngsten Geschäftsbericht der ÖIAG zitiert, den der damalige Aufsichtsratspräsident Peter Mitterbauer am 26. Juni 2014 unterzeichnete. "Wir haben versucht, Einigkeit im Vorstand herzustellen, aber das war nicht möglich. Der Aufsichtsrat musste die Weichenstellungen vornehmen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, das Unternehmen zu schädigen, wenn man da zusieht", sagte ÖIAG-Vorstand und OMV-Aufsichtsratspräsident Rudolf Kemler am 15. Oktober zu "News".

In weniger als vier Monaten soll sich also der Vorstand der OMV zerkracht und keine Einigkeit über die künftige Strategie des Großunternehmens gefunden haben. "Das ist völliger Unsinn", sagt ein Manager aus dem ÖIAG-Umfeld zur "Wiener Zeitung". "Dass Gerhard Roiss kein einfacher Manager ist, ist sattsam bekannt." Den Stein ins Rollen brachte eine Indiskretion, der "Presse" am 9. Oktober mitgeteilt, wonach Roiss vorzeitig gehen müsse. Das habe das OMV-Aufsichtsratspräsidium (unter Führung Kemlers, Anm. d. Red.) so beschlossen. Und hat sich damit bei der Aufsichtsratssitzung am 14. Oktober erstaunlich schlecht durchgesetzt.

Nach elfstündiger Sitzung, in der es recht turbulent zugegangen sein soll, wurde vereinbart, dass Roiss im Juli 2015 ausscheiden wird. Sein bis 2017 laufender Vertrag wird ausbezahlt, was mindestens drei Millionen Euro kosten wird, wie Personalberater schätzen. Die vorzeitige Vertragsauflösung des Gas-Vorstandes Hans-Peter Floren wird nur etwas weniger kosten.

"Einen angeblich heillos zerstrittenen Vorstand noch länger als acht Monate im Amt zu belassen, ist doch seltsam", ätzte ein Top-Manager. Auch die wegen der erfolgten Indiskretion und den folgenden Aktienkursverlusten erstattete Strafanzeige gegen unbekannt, ist eher nicht die Idee von Rudolf Kemler und der ÖIAG gewesen, sondern kam als dringender Wunsch von Aufsichtsratsmitgliedern. So wird es wenigstens am Tag nach der Sitzung kolportiert. Wie unprofessionell die Aufsichtsratssitzung am Dienstag verlauf ist, zeigt sich auch an der Tatsache, dass OMV-Finanzchef David Davies gar nicht anwesend war, obwohl er zumindest als Interims-Nachfolger im Gespräch war. Er sei im Urlaub gewesen und sei weder über die kurzfristig anberaumte Vorstandssitzung noch über die Personalrochaden informiert worden.