Wien. Es ist ja nicht so, dass nicht geschraubt werden würde. Die Arbeiter schrauben an den Maschinen, die Politiker an Maßnahmen zur Konjunkturbelebung und die Ökonomen an ihren Wirtschaftsprognosen. Diese jedoch werden ständig weiter nach unten geschraubt, seit Monaten wird über die zunehmende Eintrübung der Konjunktur berichtet, nun ist es gänzlich finster geworden. Laut Wirtschaftsforschungsinsitut (Wifo) ist Österreichs Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr nicht mehr gewachsen, das Nullwachstum ist erreicht.

Es bleiben jedoch nicht mehr viele Möglichkeiten, um gegenzusteuern. Was geht, wurde oder wird gemacht, zum Beispiel im Außenhandel. Eben erst war eine hochrangige Delegation mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner an der Spitze in China, die Internationalisierungsoffensive "Go International" wurde um 2,5 Millionen Euro erhöht. Wie Walter Koren, Chef der Außenwirtschaft Austria erzählt, werden bereits mit der Hälfte aller Messeauftritte Märkte in Übersee angesprochen. "Hier gibt es das größte Potenzial", sagt Koren. Allein, auch in den Schwellenländern sind die Zeiten des Hyperwachstums vorbei. "Die Brics-Story ist vorüber", sagt Marcus Scheiblecker vom Wifo. In der Außenhandelsbilanz Österreichs gibt es bei diesen Ländern ein klares Minus.

In den USA geht’s aufwärts

Eine Chance sind die USA, denn dorthin ist das Wirtschaftswachstum zurückgekehrt. Im dritten Quartal gab es ein sattes Plus von 3,5 Prozent. Aufgrund ihrer föderalen Struktur sind die USA allerdings ein sehr schwieriger Markt, oder eigentlich: viele schwierige Märkte.

Wie bei den Exporten meldet das Wifo auch bei den Bruttoanlageninvestitionen ein Minus im dritten Quartal (-1,1 Prozent). Und das, obwohl die Zinsen niedrig und die Kredite daher günstig sind. "Mehr kann man eigentlich nicht mehr tun", sagt Scheiblecker. Es ist hier vor allem die pessimistische Erwartung der Unternehmen, die bremst. Wenn diese nämlich annehmen, dass sie eher weniger als mehr Produkte verkaufen werden, investieren sie nicht in neue Maschinen, die dann - im Idealfall - von neuen Beschäftigten bedient werden.

Die Regierung fördert zwar Investitionen, allerdings sind die Anreize eher klein und wirklich nachhaltige Stimuli sind in der gegenwärtigen budgetären Lage einfach nicht leistbar. Bei ihrer Klausur hat sich die Regierung auf eine Reihe von Maßnahmen zur Entbürokratisierung geeinigt, ob die dadurch lukrierten Einsparungen für die Unternehmen in Investitionen fließen, ist freilich eine andere Frage.