Wien. "Es gibt keinen Grund zur Panik, dass unsere Pensionen in den nächsten Jahren nicht finanzierbar sind, aber man muss draufbleiben. Entwarnung kann man in der Debatte um das Pensionssystem nie geben", sagt Rudolf Müller, Leiter der Pensionskommission, im Gespräch mit der Wiener Zeitung".

"Unser Pensionssystem wird nicht bankrottgehen, es kommt nur darauf an, wie viel Steuergeld wir in Zukunft dazu beitragen müssen", sagt Sandra Müllbacher. Sie ist Pensionsexpertin des Instituts für Höhere Studien (IHS) und Mitglied der Pensionskommission, die am 25. November tagt und eine mittelfristige Prognose für die nächsten fünf Jahre und eine langfristige Prognose bis 2060 erstellen wird.

Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, soll die Langfristprognose aufgrund der Rekordzuwanderung sehr viel besser ausfallen als erwartet. Ein weiterer Aspekt dafür, dass die Langfristprognose neuerlich besser ausfallen wird - sie ist auch in den vorangegangenen Jahren immer wieder besser ausgefallen -, ist der Umstand, dass es aufgrund der Demografie weniger Junge für den Arbeitsmarkt gibt und daher die älteren Arbeitnehmer länger im Job bleiben werden, bestätigt Müller.

Durchschnittliches Pensionsalter bei 59,1 Jahren


Noch im Vorjahr hat die Pensionskommission davor gewarnt, dass das Pensionsantrittsalter nicht so rasch ansteigen wird, wie von der Regierung beabsichtigt. Damals ist man noch von einem Antrittsalter von 60 Jahren im Jahr 2025 ausgegangen. Im Regierungsprogramm wurde dann festgelegt, dass das Antrittsalter bis zum Jahr 2017 auf 60,1 Jahre angehoben werden soll. Damals lag das durchschnittliche Pensionsantrittsalter noch bei 58,1 Jahren, jetzt liegt es - laut jüngsten Meldungen des Sozialministeriums, bereits bei 59,1 Jahren.

Daraus liest das Sozialministerium, dass die Pensionsreformen langsam ein wenig Wirkung zeigen: Die Langzeitversichertenpension, auch Hacklerregelung genannt, wurde mit Jahresbeginn schlagartig um zwei Jahre angehoben. Der Zugang zur Invaliditätspension wurde erschwert - unter 50-Jährigen ist der Zugang nur in Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Querschnittslähmung) möglich, Ältere erhalten Reha-Geld und durchlaufen ein Case-Management-Programm. Das zeigt Wirkung: Die Anträge auf I-Pension gehen zurück. Enorm angestiegen sind dagegen die Schwerarbeiterpensionen, in die nun zum Teil von der Hacklerregelung ausgewichen wird.

Pensionskommissions-Leiter Müller führt das raschere Ansteigen des Pensionsalters auf die genannten Maßnahmen - Verschärfung der Hacklerregelung und der I-Pension - und auf die schrittweise Abschaffung des Tätigkeitsschutzes (liegt jetzt bei 57 Jahren, wird auf 60 Jahre hinaufgesetzt) zurück. Und es gebe auch weniger Anträge auf Pension, was auch daran liege, dass das Arbeitsmarktservice weniger Menschen in die Pension abschiebe.

Wichtiger als Pensionsalter ist Erwerbsquote Älterer


Weniger gut dürfte allerdings die Kurzfristprognose ausgefallen, obwohl der Anstieg des Pensionsantrittsalters über den Erwartungen liegt. Der Grund dafür: Diese "massiven Auswirkungen auf das Pensionsalter" spiegeln sich nicht unmittelbar im Budget wider. Denn die älteren Menschen, die nicht in Pension gehen können, beziehen Arbeitslosengeld oder Reha-Geld. Das werde daher das Budget noch länger belasten, beziehungsweise werde sich durch das höhere Pensionsantrittsalter in den nächsten drei/vier Jahren nicht sofort Budgeterleichterungen einstellen. Aber es entlastet dennoch, sagt Müller, und das wirke vor allem in die Zukunft.

Trotz erster Erfolge müsse am Antrittsalter weiter gearbeitet werden, viel wichtiger sei aber, die Erwerbsquote der Älteren zu erhöhen. "Die Unternehmen müssen ältere Menschen länger beschäftigen. Das ist wichtiger als das Drehen an der Pensionsschraube", betont Müller. - Die fünf Parameter für die Pensionskommission sind: Beitragssatz, Kontoprozentsatz (Höhe der Neupensionen), Pensionsalter, Pensionsanpassung und Bundesbeitrag. - Insofern wäre es wichtig, das Bonus/Malus-System als Anreiz zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer einzuführen, wie das ja auch das Regierungsprogramm vorsehe. Ob das tatsächlich kommen werde, wage er aber nicht zu prognostizieren. "Ich glaube nicht an Wunder, aber immerhin hat die Wirtschaftskammer erkannt, dass etwas geschehen muss, und macht daher Propaganda, Ältere länger in den Betrieben zu halten", sagt Müller. Immerhin gebe es auch hier leicht positive Tendenzen, ein gewisses Ansteigen der Erwerbsquote Älterer sei zu verzeichnen.