- © APA web / dpa, Julian Stratenschulte
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Wien. Der Strompreis ist derzeit so niedrig wie schon lange nicht mehr. Das ist für die Verbraucher erfreulich, die heimischen Stromerzeuger geraten aber unter Druck. Wegen des hochsubventionierten Öko-Stroms aus Deutschland und billiger, aber umweltschädlicher Kohleenergie aus dem Ausland können österreichische Stromkonzerne ihren vergleichbar teuren Strom nicht verkaufen. Beim Verbund müssen bis zu 300 Mitarbeiter gehen. Außerdem soll das Gaskraftwerk im steirischen Mellach eingemottet und abgeschrieben werden, obwohl es erst 2012 in Betrieb gegangen ist. "Heute rentiert sich die Stromerzeugung aus Gas einfach nicht mehr", sagt Ingun Metelko, Sprecherin des Verbunds, zur "Wiener Zeitung". Auch die Wien Energie steht unter Druck. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat deshalb eine noch unbekannte Energiestrategie angekündigt, um die Verwerfungen am Strommarkt in den Griff zu bekommen.

Verzerrter Strommarkt


Tatsächlich sind die Großhandelspreise an der Strombörse stark gesunken. Während eine Megawattstunde 2011 noch knapp 60 Euro kostete, wird sie derzeit um 34 Euro gehandelt (siehe Grafik). Das liegt einerseits an der schwachen Konjunktur und damit an der schwachen Energienachfrage, weil weniger produziert wird. "Es gibt derzeit einfach zu viel Strom auf dem Markt", sagt Ernst Brandstetter von Österreichs E-Wirtschaft. Und obwohl das so ist, wurden heuer circa 20 Prozent des in Österreich verbrauchten Stroms importiert, weil das billiger ist.

Heimische Stromerzeuger geben der deutschen Energiepolitik die Schuld, weil österreichische und deutsche Anbieter am Markt miteinander konkurrieren. Deutschland will bis 2020 aus der Atomenergie aussteigen und investiert gerade massiv in erneuerbare Energien. Derzeit sind dort 70 Gigawatt an Leistung aus Windkraft und Fotovoltaik installiert. Das erzeugt so viel Strom wie sieben Atomreaktoren. Zum Vergleich: Österreich erzeugt circa 20 Gigawattstunden aus Wind und Fotovoltaik. Der hochsubventionierte deutsche Öko-Strom drückt aber die Preise. "Die Politik hat nicht bedacht, was passiert, wenn man mit Förderungen in den Markt eingreift", erklärt Brandstetter. Im Stromhandel wird nämlich Öko-Strom vorrangig ins Netz gespeist. "Wenn man das Problem im Öko-Strom sucht, dann ist das zu kurz gegriffen", sagt Johannes Wahlmüller von Global 2000.

Der in Österreich erzeugte Strom wird EU-weit gehandelt und steht damit in Konkurrenz mit deutschem Öko-Strom oder britischem Atomstrom. 72 Prozent des heimischen Stroms stammen aus erneuerbaren Energiequellen, allen voran Wasser. Damit ist Österreich EU-Spitzenreiter. Der Rest stammt aus thermischen Kraftwerken wie beispielsweise Gaskraftwerke. Diese sind relativ emissionsarm, aber im Vergleich zu subventionierter erneuerbarer Energie oder billiger Kohlekraft teuer. Deshalb wird Strom aus Gas oder Öl auch nachrangig gehandelt, kommt also erst dann zum Zug, wenn der billigere Strom verbraucht ist.