Im Sommer 2014 einigten sich die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP auf die Novellierung des Islamgesetzes, welche auch dringender Wunsch der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) gewesen war. Trotz Einbindung der Muslime-Vertreter entbrannte nach Bekanntwerden des Gesetzesentwurfs ein Streit über mehrere Punkte. So ärgerte sich die IGGiÖ etwa über ein geplantes Finanzierungsverbot durch das Ausland und den Vorschlag, eine einheitliche Übersetzung des Koran als Glaubensgrundlage vorlegen zu müssen.

Österreichs Muslime nur schwer zu einen
Österreichs Muslime sind nur schwer unter einem Dach zu einen. Wie überall auf der Welt gibt es keinen einheitlichen Islam, sondern oft untereinander zerstrittene Gruppen. Hinzu kommt, dass in Österreich etliche Vereine existieren, die zumeist nach Nationalitäten organisiert sind. Die größte staatlich anerkannte Vertretung der Muslime ist die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ).

Eine der ersten Vertretungen der Muslime in Österreich war der 1932 gegründete "Islamische Kulturbund", heißt es in dem Band "Muslime in Österreich". Erster Präsident war der konvertierte Ethnologe Leopold/Umar Rolf von Ehrenfels. Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 wurde der Verein von den Nationalsozialisten aufgelöst. 1939 konstituierte sich mit offizieller Unterstützung des NS-Regimes die "Islamische Gemeinschaft zu Wien", die wiederum 1948 aufgelöst wurde. Dem 1951 gegründeten "Verein der Muslime in Österreich" folgte 1962 der "Moslemische Sozialdienst".

Aufgrund des starken Wachstums der muslimischen Bevölkerung wurde in den 1960ern der Ruf nach einer offiziellen Vertretung, einer Körperschaft öffentlichen Rechts, laut. Am 2. Mai 1979 wurde schließlich - nach jahrelangen Verhandlungen - die "Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich" gegründet. Nachdem 2009 die Verfassung der IGGiÖ reformiert und ein neues Wahlrecht eingeführt wurde, wählte man Ende Juni 2011 den gebürtigen Türken Fuat Sanac zum neuen Präsidenten. Sein Vorgänger war der syrischstämmige Anas Schakfeh.

Glaubensgemeinschaft verbreitern
Sanac hat es sich zum Ziel gesetzt, die einst als lose und elitär kritisierte Glaubensgemeinschaft zu verbreitern und auf neue Beine zu stellen. So ist es für die Muslime in Österreich seit Inkrafttreten der neuen Verfassung möglich, sich offiziell zu registrieren. Sanac hält es für realistisch, in naher Zeit auf 200.000 Mitglieder zählen zu können. Diese haben die Möglichkeit, in den Bundesländern die Gemeindeversammlungen zu wählen. Daraus folgt nach einem komplizierten Modus der Schurarat, der wiederum den 15-köpfigen Obersten Rat wählt, dem der Präsident angehört.

Seit jeher hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich mit dem Vorwurf zu kämpfen, lange nicht alle Muslime in Österreich zu vertreten. Auf Konfrontation mit der IGGiÖ gehen etwa seit Jahren alevitische Vereine, die aus theologischen Gründen von der Glaubensgemeinschaft nicht als Muslime anerkannt werden. Attacken reiten auch immer wieder kleinere bis Kleinstorganisationen wie die "Initiative Liberaler Muslime Österreich" (ILMÖ). Auch radikale Strömungen, wie jüngst die Partei "Hizb ut-Tahrir", deren Vertreter ein Kalifat errichten wollen, erkennen die IGGiÖ naturgemäß nicht an.