Wien. Caritas-Präsident Michael Landau fordert eine "Steuerreform, von der die Ärmsten substanziell profitieren". Er lädt die Verhandler der Reformgruppe ein, eine ihrer Runden "in der ,Gruft‘ oder in einem der Mutter-Kind-Häuser abzuhalten".

"Ein trauriger Rekord"


Aus Sicht des Caritas-Präsidenten wäre die Obdachloseneinrichtung "Gruft" ein geeigneter Ort, um eine Steuerreform auszuhandeln. "Dort säße man mit jenen am Verhandlungstisch, die von dieser Reform profitieren müssen, also mit Niedrigst- und Geringstverdienern", sagt er. 110.000 warme Mahlzeiten, also 400 pro Tag, seien in der Einrichtung der Caritas 2014 ausgegeben worden. "Ein Rekord." Vor zehn Jahren seien es noch 72.000 im Jahr gewesen.

Nach Landaus Erfahrung steigt der Druck für jene Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben, kontinuierlich an. "Auf der anderen Seite sind die österreichischen Millionäre so reich wie nie zuvor", sagt er. "Das heißt, die Steuerreform wird zum sozialen Lackmustest für diese Bundesregierung werden", erklärt er. "Dass diese Regierung Rettungspakete für Banken schnürt, hat sie in den vergangenen Jahren bewiesen. Ob sie genügend Rettungsringe für die Schwächsten der Gesellschaft auswirft, wird sie unter Beweis stellen müssen."

"Reichtum ist wie Mist", erklärt Landau. "Auf einem Haufen stinkt er, gut verteilt wird er Österreich zum Blühen bringen." Der Caritas-Präsident, möchte aber keinen konkreten Vorstoß, etwa in Richtung Vermögensteuern machen. "Wir sind als Caritas Armutsexperten, nicht Steuerexperten. Ich glaube, dass es um eine Balance gehen muss."

Man müsse "stärker von den Aufgaben ausgehen", etwa in den Bereichen Pflege, Gesundheit und Bildung. Dazu hätten alle Gruppen ihren "gerechten Beitrag" zu leisten. Mit Neiddebatten komme man nicht weiter.

Geld für Palliativ und Hospiz


Mehr Investitionen hätte Landau gerne bei einem anderen, derzeit im Rahmen einer von der Regierung initiierten Enquete-Kommission diskutierten Thema. Nämlich für die Hospiz- und Palliativversorgung. "Es darf nicht an Geld oder am Wohnort scheitern, dass Menschen die Betreuung und Begleitung am Ende ihres Lebens erhalten, die sie brauchen."