Wien. "Wau", wird Manuela Hochmuth von hinten angebellt. Die 34-Jährige - Kurzhaarschnitt, die braunen Haare zur Seite gekämmt - dreht sich um. Ein kleines Mädchen mit großen Augen blickt sie an. "Wau", bellt die Frau zurück. Das Mädchen zerkugelt sich vor Lachen.

"Ich habe Hunger", sagt ein anderes Kind und kommt auf Manuela Hochmuth zu. "Wir gehen gleich hinauf", erklärt sie dem Kind. "Dort werden wir dann etwas essen." Sie versucht den Kleinen bis dahin noch ein wenig abzulenken: "Komm, gehen wir rutschen", schlägt sie vor. Der knurrende Magen ist sofort vergessen und schon klettert der Bub die Rutsche hinauf und rutscht vergnügt wieder hinunter.

Ein Jobprofil, das ins Burn-out führt

Manuela Hochmuth und ihre drei Kollegen haben alle Hände voll zu tun. Um sie herum etwa ein Dutzend Drei- bis Vierjähriger, die auf dem Trampolin springen, auf das Klo gehen oder eine Geschichte erzählt bekommen wollen. Die anderen Kinder toben unterdessen lauthals durch den Raum, schlagen Purzelbäume und bauen Türme mit Bausteinen.

Die ständige Aufmerksamkeit, der hohe Lärmpegel. Ein Jobprofil, das vermeintlich den kürzesten Weg ins Burn-out garantiert. Nicht so bei Manuela Hochmuth. Sie ist gerne von Menschen umgeben, auf deren Pullovern Monstergesichter, Luftballons oder Pandabären abgebildet sind. Menschen, für die sie jederzeit abrufbar sein muss und deren Stimmung in kurzen Abständen zwischen tieftraurig und überglücklich schwankt.

Manuela Hochmuth strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie mit den Kindern spielt. Sie weiß, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. In mehr als einem Jahr wird ihre Ausbildung zu Ende sein. Dann ist die 34-Jährige Kindergartenpädagogin. Ihren alten Job vermisst sie nicht.

Persönlicher Kontakt nur am Telefon

Sie schüttelt noch immer den Kopf, wenn sie heute von diesem anderen Job erzählt. Einem Job, der gegensätzlicher zu dem jetzigen nicht sein könnte. Jahrelang arbeitete sie im Kundenservice in einer Pharmafirma. Persönlichen Kontakt mit den Kunden hatte sie nur über das Telefon. Der Job frustrierte Manuela Hochmuth. "Es war selten, dass jemand angerufen hat und sich darüber gefreut hat, dass das Paket angekommen ist. Die meisten haben sich beschwert", erinnert sie sich.