FH-Absolventen würden Gefahr laufen, "als minder qualifizierte Juristen und Juristinnen angesehen zu werden, die auch am Arbeitsmarkt benachteiligt wären". - © Universität Wien
FH-Absolventen würden Gefahr laufen, "als minder qualifizierte Juristen und Juristinnen angesehen zu werden, die auch am Arbeitsmarkt benachteiligt wären". - © Universität Wien

Wien. An einer Juristenausbildung, die an einer Fachhochschule (FH) durchgeführt wird, sieht die Universitätenkonferenz (uniko) keinen Bedarf. Eine solche könne die wissenschaftliche Qualifikation für den Zugang zu klassischen juristischen Berufen nicht vermitteln, so uniko-Präsident Heinrich Schmidinger. Im Wissenschaftsministerium zeigte man sich für eine Diskussion über eine Ausweitung der FH-Studien offen.

Die Fachhochschulkonferenz (FHK) hatte angekündigt, mittelfristig bis zu 30 derzeit an Unis angesiedelte Studienfächer, darunter auch juristische, an den FH anbieten zu wollen. Die uniko hat zwar kein Problem damit, wie schon jetzt juristische Inhalte in entsprechenden FH-Studiengängen zu behandeln. Für juristische Fachstudien brauche es aber weiter ein universitäres Angebot, hieß es in einer Aussendung.

"Benachteiligung am Arbeitsmarkt"
"Allfällige juristische Studienangebote von Fachhochschulen können die erforderliche wissenschaftliche Qualifikation für den Zugang zu den entsprechenden Berufen nicht vermitteln", so Schmidinger. FH-Absolventen würden Gefahr laufen, "als minder qualifizierte Juristen und Juristinnen angesehen zu werden, die auch am Arbeitsmarkt benachteiligt wären".

"Unabdingbare Voraussetzung für die Ausübung qualifizierter juristischer Berufstätigkeiten" ist nach Ansicht der uniko eine wissenschaftliche Berufsvorbildung, "wie sie nur durch Universitäten angeboten wird". Dies bestätigten etwa die Berufsrechte für die reglementierten juristischen Berufe (Richter, Notar, Rechtsanwalt), die durchgängig und ausnahmslos ein rechtswissenschaftliches Studium an einer Universität als Voraussetzung vorschreiben. Dies gelte auch heutzutage, obwohl nur mehr rund die Hälfte der Absolventen einen solchen "klassischen" juristischen Beruf ergreife. Die Voraussetzungen für gehobene juristische Berufstätigkeiten in anderen Bereichen, etwa in der Verwaltung oder bei Unternehmen, seien die gleichen.

Im Wissenschaftsministerium zeigte man sich für eine grundsätzliche Diskussion über eine Ausweitung des Ausbildungsangebots an FH dagegen offen. Grundsätzlich sei eine bessere Abstimmung des Studienangebots der einzelnen Hochschulsektoren das Ziel. Allerdings gebe es derzeit keinen akuten Anlassfall dafür - sollte ein entsprechender Antrag kommen, müsse man diesen diskutieren, hieß es auf APA-Anfrage.