Wien. (apa) Zwei Jahre ist es her, dass knapp 60 Prozent der Österreicher bei einer Volksbefragung die Wehrpflicht in Stein gemeißelt haben. In der Folge versprach die Politik, den Grundwehrdienst attraktiver zu gestalten. Viele der angekündigten Maßnahmen wurden seither umgesetzt. Einer der finanziell größten Punkte der Reform, die Verbesserung der Infrastruktur, liegt dem Vernehmen nach seit dem Vorjahr auf Eis, weil kein Geld dafür da ist. Gemeint sind beispielsweise Sanierungs- und Neubaumaßnahmen bei den Unterkünften, wobei es hier nicht unbedingt um Luxus geht, sondern auch darum, desolate Zustände in Duschen und Klos zu beheben. Im Heer hofft man auf die kurz vor Weihnachten zugesagten Sondermillionen ab 2016, von denen ja etwa 30 Millionen Euro pro Jahr für die Wehrdienst-Reform ausgegeben werden sollen.

Was laut Angaben des Ressorts auf Anfrage der APA mittlerweile in ganz Österreich läuft, ist die neu aufgestellte Ausbildung der Rekruten. Schon bei der Musterung kann man kundtun, welche der vier angebotenen Varianten man interessant findet: Da gibt es zunächst die klassische militärische Ausbildung unter dem Motto "Schutz und Hilfe" (Schutz kritischer Infrastruktur und Objektschutz, Grenzüberwachung, Katastrophenhilfe).

Rekruten nicht überfordern


Eine andere Möglichkeit ist das "Militärische Berufspraktikum", wo die Burschen Qualifikationen, die sie schon haben, während des Grundwehrdienstes nutzen und weiterentwickeln können - also etwa als Kfz-Mechaniker nach der einmonatigen Grundausbildung in der Werkstatt arbeiten. Die Wahlmöglichkeit "Militärische Spezialisierung" umfasst die Vorbereitung auf eine Verwendung als Kadersoldat im Inland oder auf einen freiwilligen Auslandseinsatz. Einige können ihren Grundwehrdienst im Bereich "Cyber-Sicherheit" ableisten.

Die zwei grundlegenden Ausbildungsmodule, "Allgemeine Fähigkeiten" und "Militärische Grundausbildung", müssen alle Burschen absolvieren. Um die Basisausbildung attraktiver zu machen, vor allem für die Systemerhalter, muss man mindestens eines von vier Wahlpflichtmodulen aussuchen: Am beliebtesten ist laut Ministerium das Schießtraining. Zur Auswahl stehen noch Sport, vertiefende Erste Hilfe und Sprachausbildung Deutsch.

Der neue Grundwehrdienst soll aber nicht nur interessanter, sondern auch angenehmer sein als bisher: Waren die Dienstzeiten früher anfangs jeden Tag von 6 bis 22 Uhr, kann der Kompaniekommandant jetzt flexibler agieren und die Burschen am Freitag auch früher nach Hause schicken, wenn sie unter der Woche fleißig waren. Die Ausbildner wurden laut Ministerium auch gesondert darauf hingewiesen, die Rekruten nicht zu überfordern und etwa beim Lauftraining Leistungsgruppen zu bilden.