Wien. Die Plattform "Jetzt Zeichen setzen" wird am Tag des Akademikerballs am Heldenplatz eine Kundgebung sowie ein Konzert gegen den Burschenschafter-Ball in der Wiener Hofburg abhalten. Bündnis-Sprecher Niki Kunrath sagte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, es sei ein Erfolg, dass das Bündnis nach dem Platzverbot im Vorjahr heuer wieder am Heldenplatz eine Kundgebung abhalten kann.

Veranstalter des für 18.30 Uhr angesetzten Konzerts am Heldenplatz gegenüber der Hofburg ist die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH), eines der Mitglieder des Bündnisses. Auftreten werden Harry Stojka, die Songcontest-Kandidaten Kommando Elefant und die Gruppe Yasmo - unter dem Motto "Kein Salon dem Rechtsextremismus". Die Holocaust-Überlebenden Dora Schimanko und Rudi Gelbard werden auf der Bühne Ansprachen halten.


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Online-Plattform "Jetzt Zeichen Setzen"
Initiative "Offensive gegen Rechts"
Initiative "NOWKR"
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Ball verbinde Neonazis und FPÖ
ÖH-Vorsitzende Viktoria Spielmann (Grüne und Alternative StudentInnen/GRAS) sagte, Demokratie bedeute, rechtsextremes Gedankengut zu bekämpfen. Die Burschenschafter, die beim Akademikerball in der Hofburg zusammenkommen, würden das verbindende Element zwischen Neonazis und Parteien wie der FPÖ darstellen.

"Jetzt Zeichen setzen" habe sich stets dafür stark gemacht, historische Verantwortung zu übernehmen, und Holocaust-Überlebenden eine Stimme zu geben, so die ÖH-Vorsitzende. Dora Schimanko, die als Kind vor den Nazis nach London geflohen war, sagte auf der Pressekonferenz, es wäre schön, wenn die Hofburg-Betreibergesellschaft dem Wunsch der Wiener Landesregierung, den Ball nicht mehr in der Hofburg abzuhalten, nachkommen würde. "Ich möchte auch die Wiener Hofburg als rassismusfreie Zone verstanden haben", sagte sie.

"Klare Trennung zu ewig gestrigem"

Die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend (SJ), Julia Herr, bezeichnete die bisherigen Proteste gegen den Akademikerball als "sehr erfolgreich" - und hofft auf weitere regen Beteiligung: "Dieser Ball soll endlich der letzte sein." Eine politische Kultur, in der es eine "klare Trennung zu ewig gestrigem und rassistischem Denken" gibt, forderte Alexander Pollak von SOS-Mitmensch. Dass es im Vorjahr ein Platzverbot am Heldenplatz gab, habe mit dazu beigetragen, dass es zu einer Eskalation der Proteste gekommen ist, so seine Einschätzung.

Fix ist die polizeiliche Zusage zur Abhaltung des Kundgebung und des Konzertes noch nicht, alle Zeichen würden aber darauf hindeuten, erklärten die Veranstalter. Bedenken, dass sich Ballbesucher und Demonstranten in die Quere kommen könnten, teilt der Grüne Gemeinderat Kunrath nicht.

Keine Eskalation von Protestierenden aus

Sowohl ÖH als auch die SJ schließen sich den Blockadeaufrufen von anderen Veranstaltern wie der "Offensive gegen Rechts" oder "NOWKR" an: Die Proteste sollten "möglichst bunt und breit sein", sagte Herr. Klar sei aber, dass vonseiten der Protestierenden keine Eskalation ausgehe. Spielmann sagte, die ÖH sehe es als "wichtige antifaschistische Arbeit an, auf die Straße zu gehen und auf zivilen Ungehorsam zu setzen".

Der Klubobmann der Grünen Wien, David Ellensohn zeigte sich in einer Aussendung solidarisch mit den Anliegen von "Jetzt Zeichen setzen": "Im Gedenkjahr 2015, wo wir uns an die Befreiung der Konzentrationslager und die Zerschlagung des NS-Regimes vor 70 Jahren erinnern, ist der Ball rechtsextremer Vernetzer in den repräsentativsten Räumlichkeiten der Stadt eine Schande." "Jetzt Zeichen setzen" wird am 27. Jänner - anlässlich der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 70 Jahren - im Weiheraum des äußeren Burgtores einen Kranz niederlegen. Auch zahlreiche Reden, u.a. von IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer, werden erwartet.