Wien. Der sehnlich erwartete Evaluierungsbericht zur Neuen Mittelschule (NMS) liegt seit Dienstag Abend vor, wie die APA berichtete. Er könnte für ziemlichen Zündstoff und neue Debatten um die Neue Mittelschule und die Gesamtschule sorgen. Denn so, wie die NMS umgesetzt wurde, bringt sie gegenüber vergleichbaren bisherigen Hauptschulen keine wesentlichen Verbesserungen.

Zwar seien in den ersten Jahrgängen Verbesserungen des Unterrichts und ein Rückgang an Gewalt in der Schule verzeichnet worden. Diese verbesserte Lernumwelt habe aber nicht durchgehend zu besseren Leistungen der Schüler und einer höheren Bildungsgerechtigkeit geführt, heißt es im Bericht.

"Insgesamt gibt es keine belastbaren Hinweise, dass das Niveau der NMS im Durchschnitt über jenem vergleichbarer Hauptschulen liegt. Vielmehr bestehen Zweifel, ob dieses an allen Standorten tatsächlich erreicht wird", heißt es in dem Bericht, den Erziehungswissenschafter Ferdinand Eder von der Uni Salzburg und Kollegen erstellt haben.

Auch die gesellschaftspolitischen Ziele wurden nur bedingt erreicht: "Erwartete Begleitfolgen der NMS hinsichtlich Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit treten nur teilweise ein", heißt es. "Die Wirkung der bekannten Ungleichheitsfaktoren - Geschlecht, familiäre Herkunft, unterschiedliches Leistungspotenzial der Schülerinnen und Schüler - unterscheidet sich nicht substanziell von jener in der Hauptschule. Für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund könnte es hingegen ein kleiner Vorteil sein, eine NMS zu besuchen."

Der Bericht liefert auch Erklärungen, warum die Ziele nur teilweise erreicht wurden: Einerseits beziehe sich die Evaluierung nur auf die Anfangsjahrgänge der NMS. In diesen seien die Lehrer zwar stark engagiert gewesen, allerdings habe es noch einen "Mangel an wissenschaftlich abgesichertem Wissen und an praktikablen Konzepten gegeben". Deshalb sei das NMS-Konzept an mehr als der Hälfte der Standorte nur unzureichend umgesetzt worden. "Aus den Analysen gibt es Hinweise, dass in den Modell- und Plusklassen, wo eine intensivere Umsetzung erfolgt ist, die Ergebnisse insgesamt etwas günstiger liegen."

Die fehlende Zielerreichung führen die Autoren auch darauf zurück, dass die NMS "nicht als Ersatz, sondern in Konkurrenz zu etablierten Schulformen eingeführt und - wie sich zeigt - sozial selektiv ausgewählt wurde. Der Anspruch, eine sozial und mit Blick auf Bildungsvoraussetzungen ausgewogen durchmischte Schülerschaft anzuziehen, konnte unter diesen Bedingungen - von einzelnen Standorten abgesehen - nicht eingelöst werden."