Daten der Bildungsdokumentation zeigen einen "geringfügigen Zuwachs" der NMS-Absolventen (gegenüber Hauptschulabgängern) beim Übertritt in Oberstufengymnasien - eine Verringerung der Zugangsfrequenz zur Unterstufe der AHS zugunsten der NMS ließ sich nicht feststellen". Das bedeutet, dass die NMS als nicht attraktiver als die Hauptschule empfunden wurde.

Ein ewiges Gezerre
um die Lehrer

Unterdessen ging am Dienstag die Debatte darüber weiter, wer für die Lehrer zuständig sein soll - der Bund oder die Länder. Diese Diskussion ist fast so alt wie die Regelung selbst, die aus dem Jahr 1948 stammt und die Zuständigkeit für die Lehrer teilt: Es gibt rund 76.000 Landeslehrer - diese unterrichten an den Pflichtschulen - und rund 45.000 Bundeslehrer, die an den AHS, bildenden mittleren und höheren Schulen unterrichten. Finanziert werden alle Lehrer vom Bund. Die Länder erhalten Zahlungen über den Finanzausgleich.

Die ÖVP sähe die Lehrer am liebsten in der Verantwortung der Länder, die SPÖ eher beim Bund - außer es handelt sich um SPÖ-Landeshauptleute, als solche sind sie für die Landeslösung. In der ÖVP wiederum ist der Wirtschaftsflügel gegen eine Verländerung der Lehrer.

Die Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung hat ihre Gespräche zum Thema Schulverwaltung am Dienstagabend allerdings vertagt. Man habe ein Expertenpapier entgegengenommen, das es nun zu bewerten gelte, sagten die Teilnehmer nach dem Termin. Die Lehrer-Kompetenzen seien "kein Thema" beziehungsweise höchstens ein "Nebenthema" gewesen. "Es ging um eine Stärkung der Schulautonomie", so Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Zur Jahresmitte werde man sich wieder treffen und daraus dann Schlüsse ziehen.

Die "Wiener Zeitung" hatte bereits anlässlich der Koalitionsverhandlungen im November 2013 berichtet, dass die Chefverhandler in dieser Gruppe, Landeshauptmann Niessl und ÖVP-Seniorenbundpräsident Andreas Khol das jahrzehntelange Tauziehen um die Lehrerkompetenzen zugunsten der Länder entschieden hätten. Im Gegenzug solle der Bund für das Qualitätsmanagement zuständig sein und die Zielvorgaben für die Lehrer machen.

Ein klares Nein zur Verländerung der Lehrer gab es am Dienstag von der Unterrichtsministerin nicht. Sie betonte nur die Notwendigkeit, Doppelgleisigkeiten in der Struktur abzubauen. Auch Bundeskanzler Werner Faymann wollte sich noch nicht eindeutig festlegen: "Da geht es nicht um Verländerung oder Zentralisierung." Für Vizekanzler Reinhold Mitterlehner ist wichtig, dass Steuerung und Controlling nach zentralen Qualitätsstandards organisiert werden, dann sei es egal, welche Regelung umgesetzt werde.

Bei den Grünen stößt die Lehrer-Verländerung auf "sehr große Skepsis", wie Bundessprecherin Eva Glawischnig sagte. Die rechtliche und die finanzielle Verantwortung gehören aus ihrer Sicht zusammen, andernfalls drohe "Geldvernichtungsgefahr".

Gegen eine Verschiebung der Lehrerverantwortung zu den Ländern sprachen sich auch AHS-Lehrergewerkschaft und Industriellenvereinigung aus. Für Bildungswissenschafterin Ilse Schrittesser kann Qualität eher gesichert werden, wenn der Bund zuständig ist, Kritisch auch die ehemalige AHS-Direktorin Heidi Schrodt: Die Länder hätten bereits jetzt "zu viel Macht".