Wien. Es fehlen nur noch ein paar Stunden bis zum Beginn des iranischen Neujahrsfestes (Norouz), das jedes Jahr zu Frühlingsbeginn gefeiert wird. Die Perser schreiben heuer das Jahr 1394, gemäß der Tradition, dass ihre Zeitrechnung mit der Flucht des Propheten Mohammeds von Mekka nach Medina 621 n. Chr. beginnt.

Der persische Supermarkt Nima auf der Gumpendorfer Straße und auch sieben weitere orientalische Supermärkte in Wien (alle Adressen und Events auf www.irani.at) machen in diesen Tagen ihren besten Umsatz im Jahr. Denn die Menschen decken sich mit köstlichen Keksen, Fisch, Kräutern, Obst und Safranspezialitäten ein. Im Nima sprechen zwei ältere Damen über das Neujahrsfest: "Hast du schon alle wichtigen Ingredienzien fürs Fest und den Goldfisch besorgt, den wir für den feierlichen Neujahrstisch brauchen?", will die eine wissen. "Nein, aber dafür habe ich schon Kekse, einen Spiegel und herrliche Blumen am Bazar gekauft", entgegnet die andere.

"Sieben Dinge die in Farsi mit einem S beginnen, die Hyazinthe (Sombol), die Mehlbeere (Senjed), Essig (Serke), die Münze (Sekke), der Apfel (Sib), das Grünzeug (Sabze) und das Gewürz Somagh, werden auf einem Tisch mit Keksen, bemalten Eiern, einem Spiegel, einer schönen Ausgabe des Koran, Goldfischen im Glas und Blumen aufgestellt. Das Ganze nennt sich Sofreye Haf - Sin, was übersetzt Tisch mit den sieben S bedeutet", erklärt uns Roxana M., die noch darauf hinweist, dass jeder Gegenstand etwas symbolisiert. Das Leben, die Freude, die Fruchtbarkeit, die Selbsterkenntnis und so weiter. Ihre Freundin, Gohar L, erzählt über die Ursprünge des Festes: "Die Wurzeln reichen mindestens in die Zeit der Achämeniden zurück. Der eigentliche Höhepunkt des Festes ist der Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche (Sal Tahwil). Das Fest wird aber nicht nur im Iran gefeiert, sondern auch im Irak, in Afghanistan, in der Türkei und in Pakistan".

Über den Ursprung von Norouz gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Altpersische Legenden etwa berichten, dass Gott den Menschen am ersten Tag des Frühlings erschuf. Am häufigsten wird aber die Entstehung von Norouz mit Jamshid in Verbindung gebracht, dem mythischen iranischen König. Das Fest soll an die Himmelfahrt von Jamshid erinnern, der für die Dämonen einen fliegenden Wagen hatte bauen lassen; Dämonen, die er zuvor bezwang und in den Dienst der Sterblichen stellte. Allerdings scheint Norouz wohl eher aus der Hirten- oder bäuerlichen Kultur entstanden zu sein, wo der Übergang vom Winter zum Sommer verehrt wurde: Fruchtbarkeits- und Erneuerungsriten können ohne Zweifel in manchen Bräuchen erkannt werden.