Bregenz. Am Palmsonntag finden in drei Vorarlberger Gemeinden - Bludenz, Hohenems, Hörbranz - Stichwahlen um das Amt des Bürgermeisters statt; zumindest zwei davon erregen mehr als nur das unmittelbare lokale Interesse.

Der Ausgang der Stichwahl in der ehemaligen Residenzstadt der Grafen von Hohenems treibt die politisch Interessierten im Land besonders um: Hier hat im ersten Wahlgang am 15. März FPÖ-Landesparteiobmann Dieter Egger (46) den Amtsinhaber von der ÖVP, Richard Amann (58), mit 45 zu 35 Prozent bei der Direktwahl deutlich auf den zweiten Platz verwiesen. Auch in der Gemeindevertretung ist die FPÖ in der traditionell schwarzen Stadt neue Nummer eins.

Allerdings beträgt der absolute Stimmenvorsprung Eggers nur 691 Stimmen. Wenn man nun in Rechnung stellt, dass sowohl SPÖ als auch Grüne eine Wahlempfehlung für den amtierenden Bürgermeister Amann ausgesprochen haben, wird klar, dass das Rennen für die Freiheitlichen noch nicht gelaufen ist.

Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel. Hohenems ist für die im Land dominierende Volkspartei eine Prestigefrage, nicht zuletzt aufgrund des Jüdischen Museums, das die reiche Geschichte der einstmals blühenden jüdischen Gemeinde hochhält und regelmäßig mit Ausstellungen für internationales Aufsehen sorgt. Hinzu kommt, dass der freiheitliche Herausforderer Egger und Museumsleiter Hanno Loewy seit 2009 in inniger Abneigung verbunden sind. Damals kritisierte der gebürtige Frankfurter Loewy einen FPÖ-Slogan, woraufhin Egger ihn als "Exil-Juden aus Amerika in seinem hochsubventionierten Museum" attackierte.

Zwar hat es seitdem einige Schlichtungsanläufe gegeben, doch bisher ohne Erfolg. Egger selbst ist sich dieser Hypothek bewusst und sprach sie im Wahlkampf recht unverblümt an.

Ob Egger Hohenems zur neuen blauen Hochburg im Ländle machen kann, ist also offen. Wenn, dann hätte die ÖVP einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet: Die Negativkampagne der letzten Wochen habe sich als Schuss ins eigene Knie erweisen, meint ein Kenner, der selbst Amann unterstützt. Zudem gilt der FPÖ-Politiker als guter Wahlkämpfer mit dem Rückenwind des Halbzeitsiegers, während der amtierende Bürgermeister selbst von der herben Niederlage im ersten Wahlgang überrascht wurde. Tatsächlich waren es am 15. März vor allem ehemalige ÖVP-Wähler, die sich von den Schwarzen ab- und den Blauen zugewandt haben.

Rote Hoffnung Bludenz

In Bludenz hat mit Mario Leiter (49) ein roter Kandidat die Chance, das Rathaus nach zwanzig Jahren für die SPÖ zurückzuerobern. Amtsinhaber Mandi Katzenmayer (64) von der ÖVP lag vor zwei Wochen nur knapp - 42,2 zu 40,1 Prozent - vor dem parteifreien Leiter, der 1990 aus der SPÖ aus beruflichen Gründen ausgetreten war. Leiter ist Polizeibeamter in Bludenz. In absoluten Zahlen beträgt die Differenz nur 129 Stimmen.

Allerdings droht in der Alpenstadt eine Wahlanfechtung, weil im ersten Wahlgang Wahlkarten ohne Vollmachten ausgegeben wurden. Dahinter steckt die Stadt-ÖVP, die Bludenzer Bürgern Wahlkarten als Service nach Hause zustellen wollte. Derzeit werden mehrere Fälle überprüft, in denen nicht klar ist, ob die Wahlkarte die Person, auf die sie ausgestellt wurde, erreicht hat. Die Polizei ermittelt.

Unterdessen fixierten in der Landeshauptstadt Bregenz ÖVP und Grünen die Fortsetzung ihrer seit zehn Jahren andauernden Zusammenarbeit. Bürgermeister Markus Linhart setzte sich bereits im ersten Wahlgang durch.