Wien. Die Miliz wird aufgewertet. Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) kündigte am Donnerstag ein neues finanzielles Anreizsystem für die Soldaten an. Die bisher verwendeten Mittel würden von bisher 500.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt. Zudem präsentierte der Ressortchef bei einer Pressekonferenz den neuen Milizbeauftragten: Erwin Hameseder ist unter anderem Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und Brigadier der Miliz. Er versteht sich laut eigener Aussage als "Ombudsmann für die Miliz".

Hameseder soll bei der Umsetzung der Reform mitwirken und den Minister beraten. Milizverbands-Präsident Michael Schaffer zweifelte in einer Aussendung daran, ob Hameseder der Richtige für diesen Job ist. Schließlich habe Hameseder in seinem Job eine 70-Stunden-Woche.

Den Milizsoldaten kommt künftig ein neues Aufgabenprofil zu: Sie werden mit dem Schutz kritischer Infrastruktur betraut. Dabei handle es sich etwa um Kraftwerke, Raffinerien und Krankenhäuser. "Das sind die Lebensadern der Republik", sagte der Minister. Jeder Kompanie werde ein Schutzobjekt zugestellt, bei einem Ernstfall würden die Milizsoldaten den quantitativen sowie qualitativen Bedarf decken.

Das neue finanzielle Anreizsystem soll 2017 in Kraft treten. Dabei werde das bisherige Stufen-System für die freiwillige Meldung für Übungen vereinfacht: Unabhängig von der Verpflichtungsdauer gibt es ab 2016 eine einmalige Prämie von 601 Euro. Diese werden laut Klug auch Freiwillige für die Milizoffiziersausbildung erhalten, die bisher nicht berücksichtigt worden sind. Ab 2017 erhält ein Milizsoldat zusätzlich 1111 Euro, wenn er die Unteroffiziersausbildung innerhalb eines Jahres absolviert hat. Bei einem Abschluss innerhalb von 18 Monaten noch 666 Euro.

Milizoffiziere erhielten bisher weder eine Prämie bei der freiwilligen Meldung für Übungen noch für den Abschluss der Grundausbildung - was sich nun ändern soll. Ab 2016 gibt es für die erfolgreiche Beendigung der Grundausbildung innerhalb von viereinhalb Jahren 666 Euro. Bei Abschluss in dreieinhalb Jahren wird der Betrag auf 1333 Euro erhöht. Dazu kommt die Prämie für freiwillige Meldung zu Übungen.

Bis 2018 will das Bundesheer mithilfe dieses Anreizsystems 5000 Mann zusätzlich angeworben haben, zwölf zusätzliche Jägerkompanien sollen in diesem Zeitraum entstehen. In einer zweiten und dritten Phase kommen noch einmal insgesamt 28 Kompanien - also etwa 4000 Mann - dazu. Außerdem will das Verteidigungsministerium bis 2019 rund 29 Millionen Euro in Ausrüstung für die Miliz investieren, wie etwa neue Kampfanzüge und Nachtsichtbrillen; bis 2020 weitere 48 Millionen Euro.