Wien. "Jeder Jugendliche braucht Shisha. Ohne sie kann ich nicht leben", sagt der 22-jährige Maxamid F. Er kommt bis zu fünf Mal pro Woche in die Selcuklu Shisha-Lounge im 15. Bezirk. Seine Sucht gilt nicht dem Nikotin, sondern der Atmosphäre. Maxamid zieht die Shisha-Bar jedem Segafredo und jeder Disco vor. Nach der Arbeit chillt er lieber stundenlang im orientalischen Fauteuil, nuckelt an der Pfeife und schaut mit seinen Jungs Fußballmatch.

Shisha ist Kult, nicht mehr nur bei Migranten-Kids und nicht mehr nur in den Gürtelbezirken. Geschätzte 50 Shisha-Lounges gibt es alleine in Wien. Zählt man Vereinslokale und Shisha-Bereiche in Bars dazu, hat eine Recherche der "Wiener Zeitung" über 200 Lokalitäten ergeben. Und es kommen laufend neue hinzu. Alleine im Umkreis der bekannten Baku-Lounge bei der U-Bahn-Station Nußdorfer Straße entstehen gerade drei neue Shisha-Bars. Junge Migranten der zweiten oder dritten Generation brechen aus dem immer gleichen Kebab-Business aus und verschulden sich für den Traum von der eigenen Shisha-Welt.

Aus der Traum. Mit dem ab Mai 2018 geltenden Rauchverbot wird sich die boomende Shisha-Szene in Rauch auflösen. "Die Regelungen des Rauchverbotes erstrecken sich auch auf die Verwendung von Wasserpfeifen", heißt es im Gesetz, das Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Freitag präsentierten.

Eray Erkurt (27) und sein Bruder Ibrahim (33) sind fassungslos. "Wir stehen unter Schock. Wir haben viel Arbeit und Geld ins Selcuklu gesteckt und ernteten gerade die Früchte. Hätten wir das gewusst, wir hätten gar nicht erst begonnen." Zwischen uns glüht die Kokosnusskohle. Der Traube-Minze-Tabak unter der Folie hinterlässt beim Ausatmen einen fruchtigen Geschmack im Rachen.

Im Baku, wo auch Rapid- oder Austria-Kicker ihre Shisha paffen, ist Besitzer Martin "Lee" (27) ebenso fassungslos. "Ohne Shisha kann ich zusperren. Die Leute kommen doch nur deswegen. Ich habe eine hohe Ablöse bezahlt, einen Kredit laufen und zehn Angestellte." Für ihn besonders bitter: Er hat längst auf nikotinfreien Tabak umgestellt. "Die Kunden merken das gar nicht." Und er könnte sich auch vorstellen, verstärkt auf aromatisierte "Steine" zu setzen. Diese sind mit Molasse vollgesogen und erzeugen Rauch ohne Tabak. Auf Nachfrage stellt das Gesundheitsministerium aber klar: "Bei einem Rauchverbot ist beides verboten, ob Tabak enthalten ist oder nicht." Oder wie Gesundheitsministerin Oberhauser sagt: "Alles, was verdampft und vernebelt, egal ob mit oder ohne Nikotin, fällt darunter." Das inkludiert neben der E-Zigarette auch die E-Shisha.