Das Kaufinteresse der Republik hat indes auch private Interessenten auf den Plan gerufen. Investoren wie Ronny Pecik und Peter Goldscheider, bekannte Größen auf dem Markt der Firmenübernahmen, wurden genannt.

ÖBIB ist nicht zu beneiden

Nun steigt aber auch die "Novia Management" auf den Plan, die in Malta beheimatet ist. Der Investmentfonds hat sich auf Glücksspiel spezialisiert und ist bereits in Rumänien tätig. Interessant ist das Management-Team von Novia: Mit Rudolf Binder und Josef Schöpf sitzen dort zwei ehemalige Spitzen-Manager von Novomatic in der Leitung.

Novomatic ist das zweite Glückspielunternehmen in Österreich, weltweit aktiv - und verschwiegen. Es gehört der Familie Graf und setzte 2014 zwei Milliarden Euro um. Der Gewinn lag bei 277 Millionen Euro. Graf gehört zu den reichsten Österreichern.

Besonders interessant sind dabei aber die zwei "non-executive"-Manager, die man salopp als Aufsichtsräte der Novia-Gruppe bezeichnen kann: Herbert Stepic, Ex-Chef der Raiffeisen Bank International, und Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.

Gusenbauer sitzt auch im Aufsichtsrat der Novomatic-Tochter Löwen Enterprises.

Besonders pikant ist es bei Stepic. Der langjährige und erfolgreiche Raiffeisen-Banker sitzt mit einem Casino-Interessenten im Boot - und Raiffeisen ist dabei der größte Verkäufer (siehe Grafik).

Über eine Medial-Holding, die 38,3 Prozent an den Casinos Austria hält, kontrolliert Raiffeisen bisher die Casinos Austria (Casag). RZB-Chef Walter Rothensteiner ist Aufsichtsratspräsident der Casag und wurde in der Funktion erst gestern bei der Hauptversammlung bestätigt. (Wie auch alle anderen Aufsichtsräte.)

Stepic ist für Novia wertvoll, weil er die komplizierten Syndikatsverträge kennt, die die derzeitigen privaten Eigentümer der Casag aneinander ketten. Gusenbauer ist es ebenso, auch weil er Novomatic sehr gut kennt. Und bei Novia handelt es sich um eine Investmentgesellschaft mit Sitz in Malta, die Fonds in Luxemburg betreibt. Ob die Novomatic-Eigentümerfamilie Graf dort investiert ist, wird in Österreich überaus schwierig darzustellen sein.

Für die Staatsholding ÖBIB jedenfalls wird das hohe Interesse am Glückspielunternehmen langsam zum Problem. Je potenter die privaten Investoren sind, desto höher wird der Kaufpreis.

"Kaufpreis entscheidet"

Erwin Hameseder, Chef der Raiffeisen-Holding bringt es auf den Punkt: "Der Ministerratsbeschluss von voriger Woche ist klar. Die Regierung will eine klare Lösung, und wir werden uns der nicht verschließen. Wir warten auf ein Angebot, das noch nicht vorliegt. Entscheidend wird der Kaufpreis. Den muss ich vor unseren Eigentümern vertreten."

Kann also sein, dass die ÖBIB am Ende des Tages mit ihrer Überlegung, die Casag billig zu übernehmen und teuer wieder zu verkaufen, Probleme bekommt. Und wie schon bei AUA und Telekom werden die strategischen Probleme der Staatsholding später zum politischen Problem des Finanzministers. Denn es geht dabei um öffentliche Mittel.

Dabei wäre die ursprüngliche Idee gar nicht so schlecht gewesen. Mit der ÖBIB-Übernahme würden die komplizierten Syndikatsverträge wegfallen, die jede Veränderung bei den Casinos verhinderten. "Ich hoffe sehr, dass die Experten im Ministerium das alles vorher bedacht haben", sagte ein Bankchef zur "WZ". "Aber ehrlich gesagt, ich zweifle daran."