Die Freiheitlichen hoffen nun auf Regierungsverhandlungen. Für eine Beteiligung sei er bereit, sagt Kunasek. Durch die Abschaffung des Proporzes verlieren die Freiheitlichen aber vorerst einmal ihre automatische Regierungsbeteiligung. Mit gemeinsamen 60 Prozent könnten SPÖ und ÖVP durchaus ohne die FPÖ weiterregieren. Aber dieses Wahlergebnis bestätigt den Trend der Freiheitlichen in der grünen Mark: Bei der Nationalratswahl 2013 erreichten die Blauen den ersten Platz und bei der Europawahl ein Jahr später wurde die FPÖ knapp Zweiter. Das Landtagsergebnis vom Sonntag war nicht nur das beste Ergebnis im Lande und unter den neun Landesparteien, sondern auch in puncto Zuwachs österreichweit Rekord. Ein Plus von 16,1 Prozent schaffte bisher noch keine Partei bei den 138 Landtagswahlen der Zweiten Republik.

Freiheitliche polarisieren
mit Asylthema

"So stark wie heute war die FPÖ noch nie", sagte deshalb FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache. In der Steiermark erwartet er sich den Rücktritt von Landeshauptmann Voves und die Einladung seiner Partei zu Regierungsverhandlungen: Voves solle Wort halten. Zudem entspreche es dem Wählerwunsch, nun über eine erneute Beteiligung der Freiheitlichen nachzudenken, so die Lesart Straches.

Die Ursache für den Wahlausgang lag wohl zum Großteil an der FPÖ-Themenpalette mit der Asylpolitik als einem der blauen Kernthemen, das bis auf Gemeindeebene ein Aufreger dieser Tage ist. Stichwort: Zeltstädte. Die Reformer begnügten sich derweil damit, ihre Arbeit zu loben, und verzichteten auf einen "echten" Wahlkampf.

Die FPÖ plakatierte Sprüche wie "Wohnungen statt Moscheen". Demnach gebe es in Graz 19 Gebetsräume, acht davon würden als radikal eingestuft. Tatsächlich ist kein öffentlicher Euro in Moscheen geflossen, wohl aber in 800 neue Wohnungen für die Hauptstadt Graz. Es wird zwar gerade die erste Moschee in Graz gebaut, aber ohne österreichisches Steuergeld zu verwenden. Eine Moschee sucht man in Graz zudem vergeblich, es gibt lediglich Gebetshäuser in "normalen" Gebäuden. Für Aufregung sorgte zudem eine FP-Postille, die einen Vermummten mit Pistole zeigt, um das angebliche "Sicherheitsrisiko Asylheim" zu illustrieren. Letztlich war diese Strategie bei den Wählern erfolgreich. Laut einer Sora-Wahlbefragung ist die FPÖ die neue Arbeiterpartei. 61 Prozent der Arbeiter votierten für die Freiheitlichen. Der SPÖ blieben gerade einmal 18 Prozent.

Ein Beispiel ist die Industriestadt Judenburg: Die Roten verloren von 54,61 auf 39,86 Prozent (minus 14,75 Prozentpunkte), die ÖVP fiel von 22,88 um 4,92 Prozentpunkte auf 17,96 Prozent. Die Freiheitlichen sprangen von 9,82 auf 29,81 Prozent und wurden Zweiter. In Kapfenberg eroberte die FPÖ ebenfalls Platz zwei. Die SPÖ verlor ihre Absolute, bleibt aber weiterhin Erster.

Burgenland und die Steiermark werden die ersten beiden Länder sein, in denen die Strache-FPÖ die Rekorde der Haider-FPÖ einstellt. Im Burgenland waren bisher 14,55 Prozent aus dem Jahr 1996 das beste Ergebnis, in der Steiermark 17,15 Prozent von 1995.