Wien. "In schwierigen Zeiten zeigt sich, wer zu der Partei steht und wer nur persönliche Interessen verfolgt", kommentierte Team Stronach Klubobfrau Waltraud Dietrich das Überlaufen von zwei Team-Stronach-Nationalratsabgeordneten zum ÖVP-Klub. Die 2012 gegründete Partei erlebt wieder einmal (personelle) Turbulenzen - und verliert zunehmend an Bedeutung. Mit dem Überlaufen von Marcus Franz und Georg Vetter zum ÖVP-Klub verfügt das Team Stronach nur mehr über neun Mandatare und ist damit so stark wie die Neos.

Kritik nicht erwünscht

Bei der Nationalratswahl 2013 hatte das Team Stronach noch elf Mandate errungen und selbst bei der Konkurrenz um Unterstützer gefischt. Im selben Jahr eroberte die Partei drei Landtage und kam in drei Landesregierungen. Seither geht es bergab - auch in jenem Bundesland, in dem der Magna-Gründer Frank Stronach vielfacher Arbeitgeber ist. Bei der steirischen Landtagswahl am Sonntag verfehlte das Team Stronach mit 1,74 Prozent klar den Einzug in den Landtag. Vetter machte Frank Stronach öffentlich für die Schlappe in der Steiermark verantwortlich, Stronach forderte ihn zum Rücktritt auf.

"Gerade in jüngster Vergangenheit haben sich Franz und Vetter offen gegen Parteichef Frank Stronach gestellt", kritisierte Dietrich. Kritik am Parteigründer war im April bereits dem steirischen Stronach-Spitzenkandidaten Wolfgang Auer zum Verhängnis geworden: Er erfuhr per Aussendung, dass er hinterrücks gegen Josef Kaltenegger ausgetauscht worden war. Vor der Wahl outete sich Auer als ÖVP-Wähler.

Personalentscheidungen trifft Frank Stronach selbst. "Die Position von Frank Stronach innerhalb der Partei ist und bleibt unangetastet. Als Parteigründer steht es ihm zu, die Partei nach seiner Vision zu gestalten", stellt Dietrich klar. Vetter kritisierte das Agieren von Stronach: "Es ist sehr schwer, Politik zu machen auf einem schlingernden Schiff, wo der Kapitän dem Steuermann ständig ins Ruder greift." Verbiegen werde er sich künftig nicht müssen, denkt er. Franz stehe für "christlich konservativ" und Vetter verstärke den liberalen Flügel, sagte ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka bei der Vorstellung der neuen Abgeordneten. Der Arzt hatte mit Äußerungen wie "Po-Grapschen kann zu Hochzeit führen" für Aufsehen gesorgt. Rechtsanwalt Vetter musste sich bei der Pressekonferenz im ÖVP-Klub für einen Blogeintrag rechtfertigen, in dem er erklärte, der Staat Österreich sei 1938 das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen. SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder sieht in dem Wechsel einen "Rechtsruck" in der Volkspartei.

Franz und Vetter werden neben dem früheren Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle Abgeordnete ohne Parteimitgliedschaft sein. Die ÖVP-Fraktion wächst durch die Neuzugänge auf 49 Abgeordnete, der Frauenanteil sinkt leicht auf 26,53 Prozent.

Für das Team Stronach bedeutet der Verlust empfindliche finanzielle Einbußen. Pro Mandatar verliert es 48.118 Euro an Klubförderung, außerdem fällt der Extra-Betrag für den zehnten Abgeordneten von 117.933 Euro weg.

Nachspiel am Montag

Der Wechsel zur ÖVP wird am Montag die Präsidiale des Nationalrats beschäftigen. Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) hat zu einer Sonder-Präsidialkonferenz geladen. Eine solche Unterredung hatte Schieder von der SPÖ gefordert. Sein Gegenüber von der ÖVP, Lopatka, zeigte sich darüber verwundert. Seiner Meinung nach gibt es in der Causa "juristisch nichts zu klären".