Über mögliche Koalitionen macht sich Gerstl keine Illusionen: "Die FPÖ will in Österreich an die Macht, diesem Ziel ordnet die Partei strategisch alles unter. Und deshalb wird sie auch nur als stimmenstärkste Kraft in eine Koalitionsregierung gehen."

Zumindest die Sache mit der "bürgerlichen Mehrheit" sieht auch Mölzer so: "Seit Haider alle frustrierten SPÖ-Wähler zur FPÖ holte, hat dieses Konzept in Österreich kein politisches Substrat mehr."

Regieren will die Partei, und zwar ganz ohne Zweifel unbedingt. Nur scheiden sich nicht erst seit dem Hypo-Milliarden-Debakel an der Regierungsfähigkeit der Freiheitlichen die Geister in der Republik.

Die Zweifel beginnen bei Strache, dem Parteichef. Was unterscheidet ihn von Jörg Haider, dem Übervater der Partei? "Strache ist eine weniger irrlichternde Persönlichkeit als Haider", sagt Mölzer, der sich 2004 bei der Abspaltung des BZÖ gegen Haider stellte. Für Mölzer war Haider "weder zu Themen noch zu Personen loyal, Strache hat diese Loyalität sehr wohl, und das hat sich für ihn zum politischen Asset entwickelt."

Und kann Strache auch regieren? "Mein Gott, so gut wie alle anderen halt auch", gibt sich Historiker Höbelt hier keinen großen Illusionen hin. Das steht für Mölzer außer Frage, zumal er überzeugt ist, dass "wenn die Mehrheiten sich ändern, dann auch die Technokraten kommen, die das Regierungshandwerk beherrschen". Höbelt ist skeptischer: Ministrable Kandidaten zu finden, werde kein Problem sein, sehr wohl aber unterhalb der Kabinettsebene ein Netzwerk an Vertrauensleuten in der Verwaltung aufzubauen. "Das wird die größte Herausforderung für die FPÖ."

Eine grundsätzliche Regierungsunfähigkeit will auch die SPÖ-Aktivistin Eva Maltschnig der FPÖ nicht absprechen - "denn dann müsste man die FPÖ konsequenterweise ja verbieten". Aber sie hält es für politisch unverantwortlich, weil über das freiheitliche Netzwerk auch Personen mit rechtsextremen Haltungen an Schlüsselstellen gelangten. Maltschnig meint: "Als Rote kann man nicht mit Blauen regieren."

Aus freiheitlicher Perspektive stellt sich das deutlich anders dar: Historisch habe die FPÖ trotz etlicher inhaltlicher Überschneidungen mit der ÖVP stets lieber zur SPÖ tendiert; doch seit den Erfahrungen mit Schwarz-Blau gilt die Volkspartei in blauen Kreisen laut Mölzer als "falscher Fünfziger". Langfristig bleibe die ÖVP jedoch der naheliegendere Koalitionspartner, gibt sich Höbelt überzeugt, auch wenn kurzfristig ein Pakt mit der SPÖ - wie er nun im Burgenland vereinbart wurde - politisch den größeren Effekt auslöst. Ausgerechnet der schwarze Verfassungssprecher Gerstl widerspricht entschieden: Die FPÖ sei sicher nicht der natürliche Regierungspartner für die ÖVP, da hätten die Blauen schon mehr Schnittstellen mit den Roten.

Wenigstens in dieser Frage hat das Burgenland für Klarheit gesorgt.