Graz. Ob sich zwischen dem 63-jährigen neuen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und seinem 36-jährigen Vize Michael Schickhofer nicht so eine Art Vater-Sohn-Beziehung entwickeln könne? "Das würde mir ganz gut gefallen", sagt der neue "Landesvater" der Steiermark und lächelt. Es ist sein großer Tag. Vor zehn Jahren hat die schwarze "Landesmutti" Waltraud Klasnic den Landeshauptmannsessel an den SPÖler Franz Voves abgegeben, nun hat Schützenhöfer ihn wieder zur ÖVP zurückgeholt. Seine Parteifreunde im ganzen Land können den Coup noch gar nicht fassen. Denn die ÖVP wurde bei der Wahl nur Zweiter. Ebenso wenig fassen - im Sinne von fassungslos - können die Genossen außerhalb der Steiermark den Verlust. Der Salzburger SPÖ-Chef Walter Steidl spricht von einem "Eigentor", das zu verhindern gewesen wäre. Für den Niederösterreich-Chef der SPÖ, Matthias Stadler, ist das Ergebnis "nicht nachvollziehbar". In Oberösterreich "wundert sich" Reinhold Entholzer, "dass der Zweitstärkste den Landeshauptmann stellt", Vorarlberg-Chef Michael Ritsch findet das "ganz eigenartig". "So die Hosen hinunterlassen?", wundert sich die Kärntner Landesgeschäftsführerin.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Zweite Erster wird. Doch für die SPÖ bedeutet es nach Salzburg den nächsten Verlust eines Landes. Es steht 3:6 zur ÖVP. Und das findet auch der Parteivorsitzende der SPÖ, Werner Faymann, "bedauerlich".

Dass es so kam, liegt auch am Vakuum nach Voves. Der trat wie versprochen zurück, nachdem er bei der Wahl die kritische Marke von 30 Prozent unterschritten hatte. Ein "g’standener" Nachfolger oder eine Nachfolgerin, die es in den Koalitionsverhandlungen mit Schützenhöfer hätte aufnehmen können, fehlte. Die steirische SPÖ zog die Konsequenzen daraus und setzt stattdessen auf eine massive Verjüngung mit Michael Schickhofer. Der 36-Jährige, den nun Schützenhöfer gerne väterlich an seiner Seite hätte, ist ein Ziehsohn von Voves. Er leitete das Landeshauptmann-Büro und war Bildungslandesrat. Nun wird er Finanzlandesrat.

Prominentester Neuling in seinem Team ist der Leiter der SPÖ-Europadelegation Jörg Leichtfried als Verkehrslandesrat. Die Zweite Landtagspräsidentin Ursula Lackner wechselt ebenfalls auf die Regierungsbank als Bildungslandesrätin, Doris Kampus übernimmt das Sozialressort. In Brüssel wird Evelyn Regner geschäftsführende Delegationsleiterin der SPÖ. Das Mandat Leichtfrieds wird, wenn es nach der Kandidatenliste geht, an die Tirolerin Karoline Graswander-Hainz gehen.

Für den steirischen SPÖ-Chef wird es nun enorm schwer, an der Seite des Routiniers Schützenhöfer zu glänzen, der ihn schon jetzt umarmt - ohne Gegenwehr. Denn beide haben gelobt, die rot-schwarze Reformpartnerschaft ("das Erbe vom Franz") fortzusetzen. Das heißt, die lähmenden Haxlbeißereien im Bund können sich die Roten mit den Schwarzen vorerst nicht liefern.

Und die Attacken der FPÖ auf die Reformpartner, die bei der Wahl raketenhaft aufstieg und zu SPÖ und ÖVP praktisch aufgeschlossen hat, werden der SPÖ noch zusätzlich das Leben schwer machen. FPÖ-Chef Mario Kunasek, der gerne mitregiert hätte, spricht schon jetzt von der "Partnerschaft der Verlierer".

Unfreiwillig ist die FPÖ Steigbügelhalter Schützenhöfers. Denn ohne die Pokerkarte, auch mit der FPÖ zu koalieren, hätte die SPÖ die Hose wohl nicht so weit runtergelassen. Sie brachte nicht einmal die Option durch, die Amtszeit zwischen Rot und Schwarz partnerschaftlich zu teilen.

Im Burgenland hat der rote Landeshauptmann Hans Niessl die blaue Karte gezogen, um eine schwarz-blaue Koalition gegen sich zu verhindern. Das hat ihm viel Protest eingebracht, weil eine Ehe mit Blau ein Tabubruch ist. Aber wie viel die blaue Karte wert sein kann, siehe Steiermark, werden sich die Genossen merken.