Wien. Alle sind bereit, darüber zu sprechen, aber keiner macht den Anfang. Die Rede ist von einer möglichen Neuregelung der Ferienordnung, insbesondere einer Verkürzung der Sommerferien. Eine Woche trennen die Schülerinnen und Schüler in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland von der schönsten Zeit des Jahres, in den übrigen Bundesländern ist es mit den "großen Ferien" eine Woche später so weit. Wer nicht für eine Nachprüfung lernen muss, einen Ferienjob hat oder ein Pflichtpraktikum absolvieren muss, dem stehen neun Wochen Freizeit bevor.

Das ist zu lang, wird seit Jahren von verschiedenen Seiten kritisiert, und man sollte in Erwägung ziehen, die Ferien generell übers Jahr anders zu verteilen. Eine Woche Sommerferien weniger, dafür eine Woche Herbstferien zwischen Nationalfeiertag und Allerheiligen: Über diese Variante wird am häufigsten diskutiert.

Herbstferien unterbrechen
den Lernfluss

Ist eine Pause zwischen Schulbeginn und Weihnachtsferien wirklich sinnvoll? - Entwicklungspsychologin Brigitte Rollett von der Universität Wien verneint dies: "Kaum sind die Kinder richtig ins Lernen hineingekommen, werden sie schon wieder herausgerissen."

Herbstferien, wie sie etwa in Deutschland praktiziert werden, seien eine zu frühe Unterbrechung der lernaktiven Zeit. Eher sollte man andenken, die Semesterferien auf zwei Wochen auszuweiten. Die Sommerferien, auch wenn sie bekanntlich aus außerschulischen Gründen entstanden sind, sollten auf jeden Fall lang bleiben, damit die lernschwachen Kinder in der zweiten Ferienhälfte die Möglichkeit haben, aufzuholen - aber ohne Stress, betont Rollett: "In den ersten vier Wochen sollten die Kinder absolut nichts tun." Das bräuchten sie, um "runterzukommen" und Abstand von der vorhergehenden Arbeitsphase zu gewinnen.

Keine Zeit zum Faulenzen gab es zu Maria Theresias Zeiten und noch lange Zeit danach, als noch der Großteil der Bevölkerung von Ackerbau und Viehzucht lebte: Die Kinder, vor allem die Größeren, mussten im Sommer mithelfen - und durften zur Ernte- und Feldarbeit der Schule fernbleiben. Dafür blieben kleine Kinder, für die der Schulweg zu beschwerlich war, im Winter zuhause.

Auch wenn nicht überall Zufriedenheit herrscht, sind Eltern, Lehrer und Schüler auf das derzeitige System aus langen Sommer- und im Verhältnis dazu relativ kurzen Weihnachts-, Semester- und Osterferien eingespielt. "Das ist so stark verankert, dass sich schwer daran rütteln lässt", sagt Bildungsforscher Stefan Hopmann. Nur in Vorarlberg werden bereits Herbstferien praktiziert: Die schulfreien Dienstage nach Ostern und Pfingsten werden gestrichen, schulautonome Tage gebündelt - ergibt eine freie Woche.

Nach Hopmanns Meinung müssten die Schulen nicht den ganzen Sommer leerstehen. Die Ferien unter dem Jahr gleichmäßiger zu verteilen und dafür die Sommerferien zu kürzen, käme vor allem Kindern aus Familien zugute, in denen Bildung nicht so einen hohen Stellenwert hat.

Schulpartner zu
Gesprächen bereit

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek lässt über ihre Pressesprecherin ausrichten, sie halte einiges von einer zeitgemäßen Regelung der freien Zeiten, jedoch nur gemeinsam mit den Schulpartnern und im Rahmen der Bildungsreformkommission. "Mit den Lehrern kann man über alles reden", sagt Paul Kimberger, Vorsitzender der Arge Lehrer in der GÖD. Er fordert eine sachliche Diskussion auf Basis einer seriösen wissenschaftlichen Grundlage. "Im Kern ist das Kind", betont er. Und fügt hinzu, dass die langen Sommerferien nicht von den Lehrern erfunden wurden.

Auch der Verband der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen ist "jederzeit zu Gesprächen bereit". Der Verband will die Diskussion aber nicht allein auf die Ferienregelung reduziert sehen. Auch der Ablauf des Schultages müsste optimiert werden.

Eine "g’scheite" und vor allem leistbare Ferienbetreuung gehört her, spricht Kurt Kremzar, Leiter der Abteilung Bildungspolitik in der Arbeiterkammer, ein Problem vieler berufstätiger Eltern an. Die haben die heurigen Sommerferien aber längst durchorganisiert.