Wien/Brüssel/Athen/Frankfurt. Nach dem Nein der Griechen zu den Reformvorschlägen der Gläubiger haben sich nach Einschätzung des österreichischen Notenbankchefs und EZB-Rates Ewald Nowotny die Fronten verhärtet. Die Hoffnung der griechischen Regierung, binnen zweier Tage zu einem Deal mit den Gläubigern zu kommen, weist Nowotny ins Reich der Illusionen.

Für ein neues Hilfsprogramm unter dem Euro-Rettungsschirm ESM müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein. "Vor allem muss man sich bewusst sein, dass so etwas Zeit braucht. Es geht um Dutzende Milliarden, die kann man nicht im Schnellverfahren vergeben", sagte Nowotny.

Primäres Problem sei das Zeitproblem, das mit dem Stillstand durch die Volksabstimmung noch verschärft wurde. "Wir haben nicht unbegrenzt Zeit, vor allem Griechenland hat das nicht", so Nowotny.

Verhandlungen durch "Nein" nicht leichter

Die Ankündigung der griechischen Regierung, man würde durch das Nein gestärkt und binnen zwei Tagen ein Abkommen mit den Gläubigern abschließen, "halte ich für illusionär", sagte Nowotny. Das Nein beim Referendum sei natürlich zu respektieren, es mache aber die Verhandlungen nicht leichter.

Undenkbar, Banken lange gesperrt zu lassen

Für Nowotny wäre es "extrem problematisch" und sogar "undenkbar, über einen langen Zeitraum hinweg die Banken zu schließen", wie er sagte.

Denn, so Nowotny, die Kreditversorgung der Wirtschaft entspreche dem Blutkreislauf einer Volkswirtschaft. Bekomme ein Unternehmen keinen Kredit, um Produktionsmittel einzukaufen, werde die Produktion zum Stillstand kommen. Die Banken spielten auch bei der Finanzierung von Importen eine ganz wesentliche Rolle. Abgesehen hat Nowotny große Sorgen um die griechische Bevölkerung, die ja seit einer Woche vor verschlossenen Banktüren steht und nur beschränkt Bargeld abheben kann.

"Hilfen für den Bankensektor sind Hilfen für die gesamte Volkswirtschaft", sagte Nowotny. Es gehe nicht ausschließlich um Hilfe für die Banken. Das sei auch nicht nur Sache der Zentralbank, sondern der gesamten Wirtschaftspolitik.

EZB-Räte beraten zu Notfallshilfen

Heute, Montag, soll die EZB über die Notkredite (ELA) an die griechischen Banken befinden, die ausstehenden Notkredite hatte die EZB zuletzt bis heute verlängert. An einer Telefonkonferenz der EZB-Ratsmitglieder am Nachmittag nimmt Nowotny teil.

Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die EZB diese Liquiditätshilfen für Griechenlands Banken aufrechterhalten wird.

Nowotny äußerte sich vor der Beratung zu Mittag dazu nicht. Die EZB müsse nach ganz klaren Regeln vorgehen. "Wir müssen prüfen, ob nach diesen Regeln die Liquiditätsversorgung weiter möglich ist", sagte er. Ökonomisch habe sich durch die Volksabstimmung ja nichts geändert.

Referendum nach "einseitigem" Verhandlungsstopp Griechenlands

Nach dem Nein der Griechen zu den Sparvorgaben der Gläubiger erwarten die Finanzminister der Eurogruppe neue Vorschläge aus Athen. "Die Minister erwarten neue Vorschläge von den griechischen Stellen", heißt es in einer Erklärung der Eurogruppe vom Montag in Hinblick auf das Sondertreffen der Euro-Finanzminister am Dienstag.

"Das Referendum wurde abgehalten, nachdem sich die griechische Regierung einseitig von den laufenden Verhandlungen mit den Institutionen (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds) über den griechischen Reformplan zurückgezogen hat, der im Abkommen vom Februar 2015 vorgesehen war", betonten die Euro-Finanzminister.