Wien. Das neue Zusammenleben in Österreich ist in vielen Gegenden nicht mehr zu übersehen. Das hat auch die Zivilgesellschaft zum Nachdenken angeregt. Einige blieben nicht tatenlos. In den letzten Jahren wurden interessante Integrationsprojekte gestartet. Das zeigte sich auch heuer wieder bei der Verleihung des Österreichischen Integrationspreises.

In Wien-Ottakring mischen sich etwa die Kulturen, Menschen mit türkischem oder ex-jugoslawischem Migrationshintergrund stoßen aufeinander. Zum Brunnenmarkt - dem "In"-Treff Ottakrings - zieht es darüber hinaus seit längerem Künstler und junge Menschen hin. Mittlerweile wurde der neue, beliebte Wohn- und Weggehort Wiens zum Platz für ein spezielles Kulturzentrum.

Seit fast vier Jahren bietet die Brunnenpassage der Wiener Caritas täglich ein Programm, das alle Bevölkerungsgruppen über die Kunst zusammenbringt, etwa bei Vorführungen, Konzerten oder Mitmach-Veranstaltungen wie Tanzprojekten. An den Kunstprojekten wirken Besucher unterschiedlichster Herkunft mit und lernen sich dabei kennen. Das soll ihnen Zugang zu insbesondere zeitgenössischer Kunst erschließen. Das Projekt profitiert von der Lage: Zwei Märkte stoßen aufeinander, zahlreiche Lokale locken Menschen an, pro Woche sind knapp sechzigtausend Passanten unterwegs.

Die Jury des Österreichischen Integrationspreises 2011 wählte das Caritas-Projekt "KunstSozial Raum Brunnenpassage" zum Sieger in der Kategorie "fördern & unterstützen". "Das Potenzial von künstlerischen Prozessen wird als Mittel für sozialen Wandel genutzt", betonte die Jury in ihrer Begründung. "Über Kunst wird erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft bereichert."

Das Projekt war nicht der einzige Gewinner des Österreichischen Integrationspreises, der gemeinsam von ORF, dem Verein Wirtschaft für Integration und der österreichischen Wirtschaft vergeben wurde. In insgesamt vier Kategorien gab es Preisträger.

In der Sparte "anpacken & initiativ sein" hat das Projekt "Roma Jugend" vom Lions Club Murau gesiegt. Es wendet sich vor allem an die Bewohner von Hostice, einem kleinen Ort in der Slowakei. Bekannt geworden ist der Ort auch deshalb, weil die meisten der Bettler in Graz aus Hostice kommen. Mehr als die Hälfte der Bürger von Hostice gehört den ungarisch sprechenden Roma an. Die meisten von ihnen haben kaum eine Ausbildung und damit keine Chance auf Arbeit und ein geregeltes Leben.