Wien. Der Integrationsbericht 2015, den  Sebastian Kurz am Donnerstag vorgestellt hat, konzentriert sich auf Sprachförderung - so sollen quereinsteigende Schüler in eigenen "Vorbereitungsklassen" Deutschunterricht bekommen. Einen Schwerpunkt des Berichts bildet auch das Thema Asyl, gelte es doch, jene mit positivem Asylbescheid in Österreich zu integrieren, so der Integrationsminister.

"Meilenstein Islamgesetz"

Vieles sei bereits umgesetzt, verwies Ressortchef Kurz bei der Pressekonferenz etwa auf den "Meilenstein" Islamgesetz, die Verdreifachung der Mittel für die Sprachförderung im Kindergarten auf 30 Mio. Euro oder die Maßnahmen bei Prävention und Deradikalisierung. Angesichts des IS-Terrors, Anschläge in Europa und der steigenden Zahl an Flüchtlingen sei es aber eine "herausfordernde Zeit für die Integration", stellte Kurz fest.

2014 wurden 28.000 Asylanträge in Österreich gestellt und 9.000 positive Bescheide erteilt. Für dieses Jahr wird mit 70.000 Flüchtlingen und 30.000 positiven Asylbescheiden gerechnet. Im Fokus der Öffentlichkeit stehe derzeit die Unterbringung der Flüchtlinge. Kurz meinte aber, wer einen positiven Bescheid bekommt, bleibt in Österreich: "Dort wo Asyl endet, beginnt die Integrationsarbeit."

Zweites verpflichtende Kindergartenjahr wird verhandelt

Die Vorschläge des Expertenrats, der den Integrationsbericht erarbeitet, betreffen mehrere Punkte, etwa die Sprache, den Arbeitsmarkt, Werte und Ehrenamt. Die sprachliche Frühförderung sei bereits auf den Weg gebracht worden, zu einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr laufen die Verhandlungen, so Kurz.

Empfohlen werden auch "Vorbereitungsklassen", in denen quereinsteigende Schüler unterrichtet werden. Der Minister verwies hier auf die Stadt Wien, die kürzlich eigene Kurse angekündigt hat. Die SPÖ hatte sich in der Vergangenheit gegen eine Trennung gewehrt. Kurz zeigte sich heute aber zuversichtlich, den Koalitionspartner überzeugen zu können, dies sei nur eine Frage der Zeit. Es gehe nicht ums "ausgrenzen, sondern vorbereiten": "Ich werde hartnäckig sein." Generell soll das Angebot an Deutschkursen ausgebaut werden, ebenso wie die Möglichkeit für Online-Sprachkurse.

Am Arbeitsmarkt sei es das Ziel, Personen mit einem positiven Asylbescheid rasch in Beschäftigung zu bringen. Die Anerkennung der mitgebrachten Qualifikationen sei wichtig, so Kurz. Im Herbst soll daher das Gesetz für eine raschere Anerkennung ausländischer Abschlüsse vorliegen. Nachdem die Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen kommen, mit Traditionen, die man zum Teil hier nicht dulde, gebe es auch "mobile Werteschulungen", so der Minister. Ehrenamtliches Engagement in Vereinen wiederum führe dazu, dass Zuwanderer "nicht Zaungast" bleiben.