Heinz Faßmann, Vorsitzender des Expertenrats für Integration, räumte ein: "Wir leben in einer schwierigen Zeit", die Bilder in den Medien würden viele verunsichern. Das Integrationsklima, das sich in den vergangenen Jahren verbessert habe, erlitt daher 2015 einen leichten Rückschlag. Trotzdem habe es sich aber im langfristigen Vergleich signifikant verbessert. 2010 meinten 31 Prozent, die Integration funktioniere "sehr gut" oder "eher gut", 2015 waren es fast 41 Prozent.

Die überwiegende Mehrheit der Migranten, nämlich 90 Prozent, fühle sich völlig oder eher heimisch. Die Einschätzung, in Österreich überhaupt nicht zu Hause zu sein, verringerte sich von sechs auf unter drei Prozent. 70 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund gaben an, sich Österreich mehr zugehörig zu fühlen, als dem Staat, aus dem sie oder ihre Eltern stammen. Faßmann stellte fest: "Integration ist Sisyphosarbeit, aber Sisyphos war ein glücklicher Mensch, das nur zur Erinnerung."

Grüne orten Handlungsbedarf

Die Grünen orten ob dem neuen Integrationsbericht "dringenden Handlungsbedarf", für die FPÖ belegt der Bericht das "Versagen der Regierung". Das AMS wehrte sich gegen Vorschläge des Expertenrats.

Der Integrationsbericht zeige, dass für die Integration von Flüchtlingen und mehrsprachigen Menschen mehr getan werden muss, als dies derzeit der Fall ist, so die Grünen-Integrationssprecherin Alex Korun. Sie schlägt unter anderem vor, dass Asylwerber ab Verfahrensbeginn Deutsch lernen und der Ausbildungsgrad am Anfang des Asylverfahrens erhoben wird. Sogenannte "Ghettoklassen" gelte es zu vermeiden durch zusätzliche Lehrkräfte und Teamteaching.

Auch die Caritas forderte Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen von Anfang an. Die als Quartiere aufgestellten Zelte würden keine Asylpolitik ersetzen und seien auch kein geeignetes Signal für eine gelungene Integration, hieß es in einer Aussendung.

Ein Versagen der Bundesregierung orten die Freiheitlichen. Parteiobmann Heinz-Christian Strache meinte, Integration sei eine "Bringschuld" der Zuwanderer und forderte bei "Integrationsverweigerung" Sanktionen wie etwa die Kürzung oder den Entzug von Sozialleistungen.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) wehrte sich gegen den Vorschlag des Expertenrats, das AMS solle bei Asylberechtigten flächendeckende Kompetenzerhebungen durchführen und die Deutschkenntnisse überprüfen. Dies sei "zu einseitig und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht realisierbar", stellte der Vorstandsvorsitzende Herbert Buchinger in einer Aussendung fest. Zudem sei die Vermittlung von grundlegenden Deutschkenntnissen als eine zentrale Integrationsvorleistung nicht primär Aufgabe des AMS, so Buchinger.

SOS Mitmensch appellierte an Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP), neu ankommende Menschen von Anfang an in Programme zu integrieren und nicht auf das Ende des Asylverfahrens zu warten. Es brauche von Anfang an Deutschkurse sowie Qualifizierungsmaßnahmen und bei länger dauernden Verfahren die Arbeitserlaubnis. Die Volkshilfe forderte in der Asylpolitik ein "systematisch geplantes und dennoch rasches Handeln". In der Integrationsdebatte müsse Minister Kurz Verantwortung wahrnehmen und Maßnahmen für Betroffene initiieren.

Auf die Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot-Karte pochten die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung, denn ohne internationale Talente gebe es keine Wettbewerbsfähigkeit. Für den VSStÖ verdeutlicht der Bericht die "schwierige Situation" von Studenten aus Drittstaaten. Sie forderten daher ein "Ende der Diskriminierung" ausländischer Studenten.