Wien. Der Geschäftsführer des Heilbäder- und Kurorteverbandes, Kurt Kaufmann, steht der Forderung von Hauptverbands-Chef Peter McDonald zur Modernisierung der Kur aufgeschlossen gegenüber. Im Ö1-"Mittagsjournal" wies Kaufmann darauf hin, dass man bereits von der passiven zur aktiven Kur übergegangen sei.

Der Eindruck von der Kur als Volkssport oder Zusatzurlaub "stimmt schon lange nicht mehr", meinte Kaufmann. Er berichtete, dass mehr auf Bewegung und psychologische Betreuung Wert gelegt werde. Es gebe gemeinsam mit der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) erstellte Leistungsprofile, in denen genau festgelegt werde, was ein Patient bekommen muss. Das seien mindestens 60 Einheiten in drei Wochen. Das werde auch kontrolliert. Kaufmann wünscht sich eine volkswirtschaftliche Studie über die positiven Effekte von Kuren, etwa auf geringere Spitalsaufenthalte oder Medikamentenkosten.

Pilotprojekt läuft im Herbst aus


PVA-Generaldirektor Winfried Pinggera erklärte, dass es bei der Idee der "Kur neu" vor allem darum gehe, bei den Patienten ein Bewusstsein zu schaffen, dass sie auf sich selbst schauen müssen. Neben der medizinischen Behandlung gehe es dabei auch um Schulungen über Änderungen des Lebensstils. Zum Beispiel über fettarme Küche. Im Herbst gibt es laut Pinggera die ersten Ergebnisse eines derzeit laufenden Pilotprojekts, in dem berufstätige Menschen zwischen 30 und 55 Jahren erfasst sind. Der Generaldirektor kann sich vorstellen, dieses zu verlängern.

Der Hauptverbandschef McDonald möchte laut dem Nachrichtenmagazin "profil" die Kur in Österreich modernisieren. "Wir wollen das Konzept Kur wegbringen vom subventionierten Quasi-Urlaub. Wir wollen weg vom alten Kurgedanken der Adelszeit und hin zu stärkerer Gesundheitsvorsorge", sagte er.

"Die Kur ist noch sehr stark ausgerichtet auf die Zeit der 1950er und 1960er Jahre. Dieses Konzept der alten Kur ist sicher nicht mehr zeitgemäß", so McDonald weiter. Eine Kur koste 1900 Euro, diese "Investition für die Versichertengemeinschaft" müsse sich lohnen.

Gegenüber der "Presse" lehnte er Sanktionen gegen eine ungesunde Lebensweise ab. "Da spreche ich mich ganz klar gegen eine Straf- und Bevormundungsgesellschaft aus. Aber ich bin klar dafür, dem Einzelnen mehr zu vermitteln, dass jeder selbst den ersten Beitrag für seine Gesundheit leistet."