Wien. Österreich zeigt sich für das Ankommen von Flüchtlingen aus Ungarn gerüstet. Dort wurde ja der Zug noch vor Sopron, also vor der österreichischen Grenze gestoppt. Sollte Ungarn doch noch Flüchtlinge nach Sopron zulassen, hat die ÖBB Doppelstockzüge vorbereitet, die diese dort abholen und zum Wiener Hauptbahnhof bringen, wo eine Umsteigemöglichkeit in Railjets nach Deutschland besteht. Auf den Wiener Bahnöfen sei Vorsorge für Verpflegung und Schlafmöglichkeiten getroffen worden, hieß es von den ÖBB. Auch der Salzburger Bahnhof sei nach Koordinierungsgesprächen zwischen ÖBB, Behörden und Rotem Kreuz für alle Eventualitäten gerüstet.

Die Polizei lege ihren Schwerpunkt hauptsächlich auf die Bekämpfung der Schlepperkriminalität, erklärte der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Auch würde für die Sicherheit in den Zügen und auf den Bahnhöfen gesorgt. "Aber was wir nicht können, ist, dass wir sämtliche Menschen auf Bahnhöfen und in Zügen kontrollieren und deren Identität feststellen, sowie eventuell festnehmen. Das geht nicht und das ist auch nicht vorgesehen", betonte der Polizeipräsident. Was die Schlepper betrifft, so wurden auch am Donnerstag wieder mehr als zehn festgenommen.

Der von der Regierung bestellte Flüchtlingskoordinator, Ex-Raiffeisenmanager Christian Konrad, wird seinen Arbeitsplatz symbolträchtig in einem Container einrichten. Dieser werde nächste Woche auf einem Platz in der Wiener Innenstadt aufgebaut, hieß es. Konrad wird auch mit dem Flüchtlingskoordinator von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, dem früheren UNHCR-Sonderbeauftragten Kilian Kleinschmidt zusammenarbeiten.

Die katholische Kirche hat derzeit 5000 Asylwerber in ihrem Bereich untergebracht. Auf der Website http://asylhilfe.katholisch.at wird gezeigt, wie viele Flüchtlinge wo in Betreuung sind, welche Projekte es gibt und man findet diözesane Flüchtlingskoordinatoren und Ansprechpersonen.

Kirchenasyl


Die Pfarre St. Georgen an der Gusen in Oberösterreich hat eine afghanische Familie mit drei Kindern unter Schutz gestellt. Pfarrer Franz Wöckinger hat die Familie unter Kirchenasyl gestellt, weil die Rückführung laut Dublin nach Ungarn für ihn "ein Unrecht" sei. Der Gemeinderat steht hinter der Entscheidung des Pfarrers.

Solidaritätsbekundungen für die Flüchtlinge kamen am Donnerstag von Österreichs Sportlern. So hat der Fußball-Nationalspieler Zlatko Junuzovic, der während des Jugoslawienkrieges mit seiner Familie als Vierjähriger nach Österreich geflüchtet ist, dazu aufgerufen, die "Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen Unterstützung zu geben. Auch Skistar Marcel Hirscher bekundete in einer Videobotschaft Solidarität mit den Flüchtlingen.