Wien. Im Untreueprozess um den Einführung des Blaulichtsfunks Tetron hat heute ein ehemaliger Top-Manager von Motorola die Verteidigungsstrategie der beiden Angeklagten - Ex-Telekom Austria-Festnetzvorstand Rudolf Fischer und der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly - ins Wanken gebracht.

Fischer hat bisher argumentiert, dass Mensdorff notwendig war, um aus dem Bieterkonsortium von Motorola, Alcatel und der Telekom aussteigen zu können. Der ehemalige Motorola-Europa-Vertriebschef Carlos Sartorius sagte heute via Videokonferenz unter Wahrheitspflicht, er könne nicht sagen, ob es überhaupt ein Dreierkonsortium gab, was aber ohnehin nebensächlich gewesen sei, denn für Motorola sei Alcatel wichtig gewesen. Ob die Telekom Austria oder ein anderes Telekomunternehmen angeboten hätten, sei nicht im Fokus gestanden. Es wäre lediglich wichtig gewesen, dass der Anbieter das Vertrauen der Blaulichtorganisationen hat.

Auf Payroll von Motorola

Mensdorff stand auch auf der Payroll von Motorola, bezahlt wurde er als Berater, der Tipps gibt mit welchen Leuten man sprechen müsse, sagte der Zeuge. Wobei er, Sartorius, sich nur drei bis viermal mit Mensdorff getroffen habe und diese Gespräche nur sehr kurz dauerten. Dass Mensdorff auch die Telekom Austria beriet, wusste Sartorius übrigens nicht. Er ging bei den Treffen mit Mensdorff davon aus, dass er im Auftrag von Motorola arbeitet. Ob Mensdorff dafür gesorgt hatte, dass die Telekom Austria und nicht ein Mitbewerber bei Tetron an Board sei, könne er nicht sagen. Jedenfalls habe Motorola auch so intensive Kontakte zur Telekom gehabt.

Sartorius antwortete auf die Frage, ob die Telekom Mensdorff gebraucht hätte, um Zulieferer für Tetron zu werden, dies könne er nicht abschätzen. Mit Fischer habe es jedenfalls nur ein kurzes Handschütteln gegeben.

Jagdeinladungen nach Schottland

Zuvor hatte Mensdorff schon damit aufhorchen lassen, dass ihm von Fischer bei der Beauftragung, dafür zu sorgen, dass die Telekom aus dem Konsortium aussteigen kann, keine Personen genannt wurden, mit denen er sich besprechen solle. Zu den diversen Jagdeinladungen nach Schottland durch Mensdorff hielt dieser fest, dass viele Leute bei ihm jagen waren, davon weit wichtigere als Motorola-Manager. Diese Wichtigen habe er sich gemerkt und mit diesen habe er noch heute zu tun.

Morgen um 9:00 Uhr geht es im Wiener Straflandesgericht mit der Videobefragung von Hans-Joachim Wirth, damaliger Motorala-Österreich-Chef, weiter. Danach wird vertagt weil sich ein Zeuge im Vorfeld bereits entschuldigen hat lassen.