Wien. "Total verpolitisiert und überverwaltet." So bezeichnet Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), das österreichische Bildungssystem. Noch. Denn in zwei Monaten, am 17. November, soll sich einiges ändern, wenn die Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung ihre Vorschläge präsentiert. Im Vorfeld machte sich die von der IV gegründete Initiative "Neustart Schule" für eine "Bildungsrevolution", wie sie sie nennt, stark und lud Bildungsexperten am Dienstag zu einem Gipfel.

Vertreter von mehr als 20 Organisationen gehören zu den Mitinitiatoren und formulierten ihre Vorschläge - darunter Hannes Androsch, der bereits 2012 ein Bildungsvolksbegehren initiierte, Caritas, Diakonie, Wirtschaftskammer, Verband der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen und der Dachverband der Berufsgruppen der Kindergarten- und Hortpädagoginnen. Deren Tenor: Man muss die Elementarbildung aufwerten, den Schulen mehr Autonomie geben und die Verwaltung verschlanken. Die Forderungen wurden in einem Positionspapier zusammengefasst.

Aufwertung des Kindergartens

Dass diese zumindest zum Teil in die Bildungsreform miteinfließen werden, scheint realistisch. Denn Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), zwei der wichtigsten Mitglieder der Arbeitsgruppe der Regierung, halten sie für eine gute Idee, wie sie sagten. Auch die Grünen und Neos schlossen sich den Forderungen der Zivilgesellschaft an.

Die zentrale Frage ist laut Initiative, ob man weiter im Stillstand verharre oder "endlich den Aufbruch in ein neues Bildungszeitalter wage". Entscheidet man sich für Zweiteres, müsse man bei den Kleinsten, den Kindergartenkindern, ansetzen. Derzeit hängt die Ausbildung der Elementarpädagogen davon ab, in welchem Bundesland man wohnt. Für Kindergartenassistentinnen existieren überhaupt keine Schulungsstandards.

"Neustart Schule" fordert bundesweite, einheitliche Rahmenbedingungen und die Akademisierung der Kindergartenpädagogen-Ausbildung. Im ersten Entwurf für das neue Lehrerdienstrecht war diese noch fix vorgesehen - als dieses im Dezember 2013 beschlossen wurde und unter anderem eine Erhöhung der Anfangsgehälter mit sich brachte, waren die Kindergartenpädagogen allerdings daraus verschwunden. Zudem soll laut "Neustart Schule" ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für mehr Chancengerechtigkeit sorgen.