Sowohl die Kindergärten als auch die Schulen sollen mit hoher Autonomie ausgestattet werden. Die Initiative will den Schuldirektoren die Verantwortung für die Auswahl und den Einsatz ihres Personals überlassen. Eltern, Schüler und Lehrer wiederum sollen in die Bestellung des Schulleiters miteinbezogen werden. Der jeweilige Standort müsse Freiräume beim Einsatz der Mittel bekommen sowie eigene Budgets für Schulentwicklung, Weiterbildung, Lehrbeauftragte und Leistungsprämien. Ab einer bestimmten Größe soll es administratives Unterstützungspersonal und ein mittleres Management geben - also eine Art Schnittstelle zwischen Bund und autonomen Schulen.

Der Bildungsexpertin Christiane Spiel von der Universität Wien zufolge ist die Frage der Schulautonomie jetzt besonders wichtig, wenn zahlreiche Flüchtlingskinder in das österreichische Schulsystem eingegliedert werden. "Die Zusammensetzung der Schüler ist extrem unterschiedlich", sagte sie am Dienstag beim IV-Bildungsgipfel, "und die Schulen müssen rasch darauf reagieren können."

Der Autonomie soll allerdings laut "Neustart Schule" eine externe Qualitätskontrolle gegenüberstehen, die mit der Teilnahme an Überprüfungen verbunden ist. So müssten zum Beispiel Bildungsstandards erreicht werden. Unterrichtszeit und Tagesablauf sollen die Schulen jedoch in Eigenverantwortung festlegen können, diese sollen zudem ganztägig - auch in den Ferien - organisiert sein.

"Es geht um die beste Bildung"

Die Gesetzgebungskompetenz will die Initiative ganz beim Bund ansiedeln. Das Bildungsministerium soll Bildungsstandards, Bildungsziele und Lehrpläne festlegen. Die Finanzierung der Schulen soll durch ein formelbasiertes Pro-Kopf-Budget außerhalb des Finanzausgleichs erfolgen. Das alles soll dabei helfen, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. "Bildung ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts", sagte Androsch. "Obwohl wir viel Geld ausgeben, sind wir derzeit rohstoffarm."

Heinisch-Hosek zeigte sich über diese Vorschläge erfreut. "Auch für mich ist ganz klar, dass verflochtene Zuständigkeiten entwirrt werden müssen und ein Paradigmenwechsel im Schulsystem erfolgen muss. Unser Ziel in der Bildungsreform muss eine positive Veränderung im Schulsystem sein. Durch mehr Entscheidungsgewalt am Schulstandort kann auch ein Mehr an Qualität gelingen. Wir sind gemeinsam auf einen guten Weg in Richtung 17. November", so die Ministerin in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Zu konkreten Punkten will man sich aber nicht äußern, solange die Bildungsreform-Kommission noch tagt, heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" aus dem Ministerium.

Auch Wissenschafts-Staatssekretär Mahrer hält die Vorschläge für eine gute Idee, wie er zur "Wiener Zeitung" sagt. "Für die Kinder müssen wir alle an einem Strang ziehen und in dieselbe Richtung. Alle willigen und konstruktiven Kräfte sind herzlich willkommen. Denn am Ende des Tages geht es um die beste Bildung für jedes Kind."